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Priestercolleginm des strengen Gottes sich eine politischeMacht fühlte, trat die dem Griechen eigne Ueberhebung undVerblendung im Glück ein und führte zum Eigennutz, Ehr-sucht und Bestechlichkeit. Beispiele von Bestechungen kommenschon früh vor, und ein Glück war es noch, wenn sie zuso patriotischen Zwecken angewandt wurde, wie bei Themi-stokles, welcher seine Mitbürger durch das Orakel, mansolle sich hinter hölzernen Mauern vertheidigen, zum herr-lichsten Siege führte. Aber mit einem einzigen solchenVorgänge war die Stimme des Gottes dem Mächtigstenverkauft oder mußte ungehört verhallen, wie wir denn ausder ganzen Zeit des peloponnesischen Krieges, was höchstbemerkenswerth ist, kaum irgend einen bedeutungsvollenSpruch kennen. Die Habgier gestattete ferner in diesemecht hellenischen Heiligthume dem Ausländer, wenn er frei-gebig war, den Zutritt und Vorrechte, welche nicht hättenvergeben werden sollen. Als z. B. Krösos seine Geschenkenach Delphi gesandt hatte, gestattete man ihm und seinemganzen Volke die Promantie, d. h. den Vortritt bei Be-fragung des Orakels, Freiheit von den Abgaben und Ehren-plätze bei den Festen, ja sogar konnte jeder Lyder, —eine unerhörte Gunst gegen Barbaren —, delphischer Bür-ger werden. Die Habsucht der Priester ging so sehr insKleinliche, daß dem Opfernden hier nicht wie anderswoerlaubt war, von seinem Opferthiere ein Opfermahl zu ver-anstalten, sondern die Priester nahmen Alles an sich, wes-halb es sprüchwörtlich wurde: „In Delphi kaufe Fleisch,wenn du geopfert hast". Endlich mußte die Zweideutigkeitder Orakelsprüche zunehmen und zur bewußten Absicht aus-arten, weil ruan sich nicht mehr in den früher eingehaltnenGrenzen religiösen Ernstes hielt, sondern allerlei müssigeFragen zu beantworten sich herabließ, weil man ferner inden politischeir Wirren nicht mehr rücksichtslos das Wohldes Vaterlandes im Auge hatte, sondern den Parteien sich