Buch 
Tagebuch über eine mit besonderer Beziehung auf Landwirthschaft unternommene Reise durch Bayern, Sachsen-Altenburg, Königr. Sachsen, Böhmen, Mähren und Oestreich / von Albert Holland
Entstehung
Seite
114
JPEG-Download
 

114

Beim MittagSmahle merkte ich, daß ich bei demOberbeamten eines reichen böhmischen Magnaten war.Wie überall hier zu Lande haben die Beamten eineverhältnißmäßig geringe Geldbesoldung, dafür aberDeputate an Naturalien die Hülle und Fülle. Sowaren meinem Gastfreunde neben einer bedeutendenMenge Frucht und Holz, einige Centner Butter,Schmalz und Salz, 20 Eimer Bier, 40 Hirsche,

50 Hasen, 100 Feldhühner, 12 Fasanen, 100 Pfd.Fische, Oel, kurz Alles, was der Mensch an Leibes-nahrung und Nothdurft bedarf, zugeschieden. Rechnetman hiezu, daß die Haltung einiger Kühe undGeflügel aller Art, ferner die Gespannkräfte denBeamten in der Regel keinen Kreuzer kosten, bedenktman, daß die ebenfalls nicht gering zumefscnenDeputate derjenigen Schreiber, welche an des Prin-cipals Tisch essen, ebenfalls in dessen Speiseküchefließen, so ist leicht zu schließen, daß in materiellerBeziehung die Stellung solcher Beamten nicht schlechtseyn muß.

Nach Tisch sah ich mir die hiesige Buchführungan. Es ist die auf den böhmischen Herrschaftenallgemein übliche der sogenannten Journalrechnung.Dabei wird jeder Einnahme und Ausgabeposten von Idem Wirthschaftsdirigenten im Conferenzbuch vor- !getragen als Beweis seiner Zustimmung. (Für !Sachverständige brauche ich wohl nicht zu bemerken,.daß dieses mit ständigen Posten, wie Pachtgeldern,Besoldungen rc. nicht geschieht.) Auf den Grunddieses Conferenzbuches kommt der Posten unterAngabe der Nummer der Conferirung in dasCassen-Journal und es wird nun die Zahlung