das Zartgefühl jedes Einzelnen in Anspruch genommen,oder bedroht sey, derselben einen Charakter höhern Ern-stes und eine, beynahe friedliche, Würde verlieh. Un-ter den sparsamen Gegnern (obwohl an diesem Tage,damit keine Entschuldigung übrig bliebe, alle Anwesen-den ihrem Range nach förmlich ausgerufen wurden),war unstreitig der Leutpriester Steinlin von Schaffhau-sm der bedeutendeste. Seine weitläufige, von Belcscn-heit, auch in den heiligen Schriften, und vieler Ge-wandtheit zeugende, Rede gewann ihm selbst Iwingli'sAchtung sk>) , ward aber durch seine und Leo's,Einwürfe, Gegengründe und Worterklärungen, wieSteinlin selbst durch Verstummen eingcstand, durch-aus widerlegt Aus diese Weise auch ward das Ge-
99) Das heißt in Bezug auf Talent und Kenntnisse. Die An-wendung hingegen, die er davon machte, tadelten Zwingli und Leo wahrend des Gespräches mehrere Mahle instarken Ausdrucken, indem sse ihm unverantwortlichesVerdrehen der gebrauchten Schrifkstellen vorwarfen. Darumdurfte auch Zwingli am Ende ihm sagen: „Herr Pfarrer,ihr band nun zum guten teyl wol verstanden, wie daß üwreynzüg und gegenwürff, uß der geschriffc geton, milder ge-schriffr umbgestoßen und abweg geleit sind. So bitt ich tichnun um Gottes willen, ic wvllent fürhin üwec kunst undge chicklichkeit zu gutem anlegen, und nit mee nnßbruchen,denn ich hab üch gern ghört zu mynem teil, mir ist vyl vonüch gesagt. Hierumb, lieber Herr Pfarrer, so tünd mitüwrer kunst das ir wol mögent." Uff das redt der Pfarrer,er wollte im recht tun."
100) Als kleine Probe, in welchem Geiste das Gespräch geführtwurde, folgt (Beyl. VIll.) der Anfang von Leo's Antwortaus SteinlinS Vertrag. Uebrigens ersucht der Verfasserjeden Unbefangenen, der ausführlichere Belehrungwünscht, mit den gedruckt erschienenen Acten in der einenund der Bibel in der andern Hand, selbst zu prüfen. Da-durch , daß von der Behörde, welche die Zürcherschen Ge»