Band 
Zweiter Theil.
Seite
484
JPEG-Download
 

484

Eidgenossen. Die Mäßigung der Regierung besänftigtegleich anfangs den wilden Auübruch; aber die beabsichtigteVerhaftung des Hauptaufwieglers gab dem Aufstand neuesLeben. Beim Anblick der Festigkeit der Regierung undder Kriegsrüstungen Zürichs , welches gemahnt wordenwar, unterwarf sich die empörte Gemeinde einmüthig undohne Vorbehalt; ihre Abgeordneten flehten mit Thränenum Verzeihung. Die Gemeinde und mehrere Schuldigewurden mit gelinden Strafen belegt; die beiden Haupt-aufrührer verbannt.,?^

Ebenso bewirkten: materielle Interessen, daß sich imSommer 1790 eine große Zahl Bürger von Aarau zu-sammenthaten, um von den Räthen dieser Stadt das Rechtdes Freikaufs der Lebensmittel wieder zu erhalten. IhreBittschriften wurden an die Regierung von Bern gesimdt,und vermehrten ihre ohnehin durch die unruhige Stim-mung rege gewordene Wachsamkeit. Aarau war Zeuge voneinigen Empörungsverfuchen; es fielen mehrere Schüsse.Allein die Festigkeit der beimischen Regierung stillte dieseBewegung, die keine weiteren Folgen hattet")

Dagegen wurde die durch gleiche Sprache mit Frank-reich verbundene Bevölkerung von den revolutionärenGrundsätzen in heftigere Gä'orung gebracht. Das fran-zösisch redende, die französischen Schriftsteller lesende, mitFrankreich durch den Kriegsdienst in beständiger Berüh-rung stehende Unter-Wallis ertrug die rohe Oberherrschaftdes ganz deutschen Ober-Wallis nur mit Widerstreben.Letzteres überließ den Meistbietenden die Stellen von Land-vögten oder Castellanen in den fünf untergebenen Zehnten.Diese Beamten suchten durch Geldstrafen sich ihres Scha-

59) Archiv von Bern : Schaffkauseu-Bnch I). Cahier, Unruhen zu

Unterhatten, im obern KleUgau, 1790, Fol. 102—108. Meyer, 508.SO) Bon Tiliier, 487, 48S.