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Ueber die griechische Tragödie / von Dr. J. Frei
Entstehung
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Verehrtest? Anwesende!

Indem ich Ihnen znmuthe, einem Vortrage über die altegriechische Tragödie Ihre Aufmerksamkeit zu schenken, und sichdamit in die ferne Vergangenheit eines ganz fremden Volks-lebens zurück zu versetzen, bin ich mir wohl bewußt, Sie auf einGebiet zu führen, auf welches Ihr Interesse zunächst nicht gerich-tet ist. Mit allem Rechte wendet sich Ihr Blick in erster Linienicht nach dem Alterthum zurück, sondern auf die Gegenwart.Und wahrlich, es liegt in unserer bewegten und schöpferischenGegenwart eine ernste Mahnung an jeden denkenden Menschen,daß er sich derselben nicht entziehe, daß er im Gegentheil in ihrLeben einzudringen und dasselbe zu verstehen suche. Allein dieGegenwart wurzelt in der Vergangenheit und findet in dieserihre letzte Erklärung. Darum suchen wir die Geschichte der Vor-zeit zu erforschen und das innere Wesen derjenigen Völker, derenStellung in der Geschichte eine hervorragende und einflußreichewar, zu erkennen, wie sich dasselbe äußerte im Staatsleben,im Familienleben, in der Religion und dem Cultus, in derSitte, in der Sprache, Literatur und Kunst. Und dieses Stre-ben bleibt nicht unbelohnt. Denn es eröffnet sich uns dadurchnicht bloß die gewünschte Einsicht in den Zusammenhang allesGeschehenen, in die einheitliche Entwicklung des Menschengeistes;wir finden unter den Erzeugnissen des Alterthums sogar Schö-pfungen von einer Herrlichkeit, wie wir sie nicht geahnt. Miteiner dieser erhabenen Schöpfungen des Alterthums möchte ichSie heute näher bekannt machen. Folgen Sie mir daher ge-trost in dieses Alterthum und stellen Sie sich dasselbe nicht garzu grau vor. Denn es ist dieses Alterthum nicht ein kraft-