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Ueber die griechische Tragödie / von Dr. J. Frei
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rel darbot, um den Chorführer, der da etwas besonderes zu singenhatte, nach dieser seiner besondern Bedeutung von den übrigenChoreutcn auch äußerlich zu unterscheiden und hervorzuheben.Was hatte nun aber wol dieser Chorführer vorzutragen, wenner etwas anderes sang, als die übrigen Choreuten? Was hatteer für eine besondere Rolle? Der Chorführer trug in seinemRecitativ einzelne Scenen aus der Geschichte des Gottes vor,und die Choreuten drückten durch Gesang und Tanz ihre Theil-nahme an diesen, von dem Chorführer geschilderten Schicksalendes Gottes aus; der Chor sang und tanzte, waS und wie erbei dem Vertrag des Chorführers fühlte. In diesen beiden an-geführten Momenten nun, in dem Wechselgesang zwischen Chor-führer und Chor und in der damit verbundenen besonderen Stel-lung des Chorführers auf dem Tische, erblicken wir zwei Keimefür die spätere ausgebildete Form der Tragödie. In dem Wechsel-gesang nämlich sehen wir den dramatischen Dialog angedeutet;der Tisch mit dem Solosänger aber gemahnt uns bereits aneine Bühne mit einem Schauspieler.

Das Element nun aber, welches zur Befruchtung und Ent-faltung dieser Keime nothwendig war, ist die Mimik, d. h. dieKunst, eine fremde Person nachzuahmen und äußerlich ihremWesen entsprechend darzustellen. Der Dithyrambus hatte höchstwahrscheinlich von Anfang an einen mimischen Charakter. DerChor singt und tanzt den Dithyrambos in dem Heiligthum desGottes, in welchem der Gott wohnend gedacht wird. Dieseunmittelbare Nähe, die Gegenwart des Gottes, läßt die Chor-euten, die sich mit dem Gotte freuen, mit ihm trauern, vonselbst als Freunde und Begleiter des Gottes erscheinen; und damochten sie wohl sehr bald darauf verfallen, diese ihre beson-dere Rolle auch äußerlich in ihrem Costüm wenigstens durcheinzelne Abzeichen anzudeuten. Und der Chorführer auf demTisch, der die Geschichte des Dionysos vortrug und in dieserStellung auf ganz natürlichem Wege dazu kam, als Dionysosselbst zu sprechen, mußte sich auch in seiner äußern Erscheinungvon den Andern unterscheiden und etwas Dionysosähnliches an