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Ueber die griechische Tragödie / von Dr. J. Frei
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iung die Hauptsache war. Der Chor hatte zwar nicht in denGang der Handlung einzugreifen; der Schauspieler war Trä-ger der Handlung, insofern bei einer solchen monologischen Dar-stellung von Handlung die Rede sein kann; und das Verhält-niß zwischen dem Schauspieler und dem Chor ist immer nochein ähnliches, wie es früher zwischen dem Chorführer des Di-thyrambus und den Choreuten gewesen und wie es auch nach-her im Wesentlichen geblieben ist: der Schauspieler stellt dieGeschichte dar, und der Chor trägt in lyrischen Gesängen vor,was er dabei fühlt und denkt. Allein der Chor hatte insoferndie Hauptrolle, als in der Zeit, von der wir sprechen, die ei-gentlichen Schauspielscenen auf der Bühne noch sehr kurzwaren, während die Gesänge des Chors einen weit bedeuten-deren Umfang hatten. Die Partie des Chores war weit größerals die des Schauspielers, wie denn auch die Abfassung undComposilion der Chorlieder, die Einübung der Gesänge undTänze des Chores und die äußere Ausstattung der Choreuteneinen weit beträchtlicheren Aufwand an Kunst und Geld erfor-derten, als die Rolle des Schauspielers.

Solch edle Pflanze bedarf aber außer dem günstigen Bodenauch liebevoller Pflege; und die ward der Tragödie in Athen imvollsten Maße zu Theil. Der athenische Staat, den hohen Werthder neuen Kunstgattung erkennend, nahm dieselbe unter seine kräf-tige Obhut. Er machte das Drama zu einem Staatsinstitute, in-dem er die Aufführung von Tragödien zu einem regelmäßigenund bleibenden Bestandtheil der dionysischen Festfeiern erhob, aufStaatskosten die Bühne errichten ließ und die Schauspieler besol-dete. Die Kosten des Chores aber mußten die wohlhabenden Bür-ger bestreiten, welche hierin nach einer gewissen Reihenfolge untereinander abwechselten und in Entfaltung von Glanz und Prachtbei Ausstattung der Chöre mit einander wetteiferten. Um dieDichter aufzumuntern und zur Fortbildung des Institutes mög-lichst beizutragen, setzte der Staat Preise aus für die gelungen-sten Tragödien. Schnell wuchs die Zahl der Dichter. Jedes-mal traten drei verschiedene Dichter mit einander aus, die um