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Ueber die griechische Tragödie / von Dr. J. Frei
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Kreon den Greisen jetzt eröffnet. Der Chor anerkennt dasRecht des Königs, dergleichen zu verfügen, hält aber mit sei-nem Urtheil über die Maßregel zurück auf eine Weise, die fastMißbilligung verräth. Da tritt von der linken Seite ein Menschauf, der mit andern zur Bewachung des Leichnams des Eteo-kles befehligt worden war, um dessen Bestattung zu verhüten;eine echt plebejische Natur, die trefflich gezeichnet ist im Gegen-satze zu den übrigen großen Charakteren. Er erzählt, nachlangen Umschweifen, weil er sich fürchtet, die Sache selbst aus-zufprechen, und zum Voraus alle Schuld von sich abwälzend,wie diesen Morgen der Leichnam mit Erde bestreut gefundenworden sei; wer es gethan, das habe Niemand gesehen. DerChor wagt es, darauf hinzudeuten, daß hier der Götter Fü-gung sichtbar werde. Doch gereizt durch diese Bemerkung schöpftder König nun Verdacht gegen die Gesinnung des Chores, sprichtvon Unzufriedenen, die schon lange im Stillen sich geregt undnun die Wächter durch schnöde Bestechung zum Ungehorsamverleitet hätten. An die Möglichkeit, daß ein edles Motiv die-sem Ungehorsam gegen den Staat zu Grunde liegen könne,denkt er nicht von ferne; auch der Chor ist ganz im Ungewis-sen, und der Inhalt des Gesanges, den er nun anhebt, nach-dem Kreon mit heftigen Drohworten abgetreten, ist ziemlichallgemein gehalten. Er besingt, wol mit Rücksicht auf die ge-heimnißvolle Bestattung des Leichnams, die manigfache Erfin-dungskraft des menschlichen Geistes, der ausführe, was unmög-lich scheine; er setzt aber über den kunstgewandten Menschen den-jenigen, der da thut, was auf Erden recht und den Götternhochheilig ist.

Siehe, da erscheint noch einmal der Wächter, Antigonegefangen mit sich führend. Man hat sie bei der That betroffen,wie sie nochmals Erde auf den Leichnam streute und dreifacheSpende aus dem mitgebrachten Kruge goß als Todtenopfer.Kreon tritt auf, um eine Art Verhör mit ihr vorzunehmen:Du wußtest, daß verkündet war, dieß nicht zu thun?"Ichwußt' es; denn warum nicht? war's doch allbekannt!"Und