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Ueber die griechische Tragödie / von Dr. J. Frei
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dcr Stadt die That der Antigone hoch erhebe und preise; wiediese Stimme des Volkes nicht ganz verachtet werden dürfe;wie er nicht verhehlen könne, daß auch nach seiner Ansicht dieJungfrau, wenn auch ungehorsam, doch edel gehandelt; er bit-tet dringend den Vater, das Urtheil zurück zu nehmen; jeder-mann, auch der Weiseste, sei dem Irrthum unterworfen. Aberin diesen verständigen Worten seines Sohnes erblickt dcr Fürstnur jugendliche Unerfahrenheit, die die Liebe zur Braut höhersetzt als des Staates Wohl; dergleichen Rücksichten sind demStaate lächerlich; mit Hohn weist er des Jünglings Vorstel-lungen zurück; er ruft seine Knechte, die Jungfrau fortzuführen,daß sie vor des Geliebten Augen sterbe. Doch mit dem Aus-rufe:Mit nichten! das erwarte nimmermehr! nicht stirbt siemir vor Augen! und du wirst auch nie mein Haupt mit dei-nen Blicken wiederseh'n vor dir!" eilt Hämon hinweg. SeineWorte haben bange Besorgniß in den Hörern erweckt; so auchin den Herzen des Chores. Der kurze Gesang desselben be-trifft den Eros, die Liebe, der kein Mensch, kein Gott entgeht,und die auch zu Unheil und Zwietracht führen kann.

Antigone erscheint, von Schergen gefolgt, gefesselt; es istihr letzter Gang. Ihre Kraft ist äußerlich gebrochen, der Schmerzhat sie übermannt; sie, die Fürstentochter, die reine, der desedeln Bräutigams Liebe winkt, sie soll lebendig hinab in dieschauerliche Gruft, weil sie dem Gesetze ihres Herzens gehorchthat! Der Chor, der seine Klagen in die ihren mischt, sprichtTrostesworte zu ihr, verhehlt aber auch nicht, daß es dem Men-schen zieme, sich dem zu unterwerfen, des die Macht ist. DerKönig macht der Scene ein Ende; er heißt die Schergen ihreSchritte nach dem Grabgewölbe beschleunigen. Der Chor er-wähnt in seinem Gesänge ähnliche Schicksale von Menschenköniglichen Geschlechts, auf die das Verhängniß in gleicherWeise hereinstürmte. Auch über den Hohen der Erde walteteine höhere Macht.

Wer naht dort durch den Eingang zur Rechten, ein Greis,geführt von der Hand des Knaben? Teiresias ist es, dem das