Band 
Fünfter Theil.
Seite
540
JPEG-Download
 

540

tone. Verschieden von einander an Größe, an Stärke, anLebensweise, unter mancherlei Bedingungen und durch be-sondere Bündnisse unter einander vereinigt, sind sie nichtsdeftoweniger kraft der demokratischen Uebereinkunft, unge-achtet ihrer Verschiedenheit, Einer für Alle und Allefür Einen zu leben, Glieder derselben Nation.

Zwei gleichzeitige Existenzen, einmal derKan-tone für die gewöhnlichen Verhältnisse des Lebens, sodannder Gemeinschaft zur Aufrechthaltung des Friedens, zurVertheidigung der gemeinsamen Rechte und zur Entwicklungdes Nationalgefühles, das ist die Schweiz .

Die Schweiz ! Die Einheit, die dieser Name darstellt,hebt also keineswegs die kantonalen Besonderheiten auf,sondern ordnet sie vielmehr einander bei, und in gewissenFällen dem gemeinsamen Interesse unter. Die Schweiz war niemals, und man konnte aus ihr niemals einen jenerStaaten machen, dessen Kräfte sich in dem Haupte concen-triren, eine jener Nationen, die man behandelt, als wennihre einzige Aufgabe wäre, sich regieren zu lassen. Dasschweizerische Leben besteht in der Fülle des Daseins ihrereinzelnen Völkerschaften, in der freien Aeußerung ihrerManigfaltigkeit, in der Entfaltung aller Kräfte, und überallem dem auch in einem brüderlichen und nationalen Le-ben. Unter den Kantonen, wie in den Familien und injeder Gesellschaft ist die Manigfaltigkeit der Talente, derNeigungen und Beschäftigungen eine Ursache der Thätig-keit, deS Wohlstandes, gegenseitiger Hülfleistung und ge-meinsamer Stärke. Selbst die Verschiedenheit kräftigt dieBrüderlichkeit: da jeder seine Lebensweise, seine Aufgabe,seine Rolle hat, so sind die Unterschiede eine Ursache derAnnäherung und machen das Familienleben dieser Staatenvollständig. Man hat in der Schweiz , so lange das In-teresse des Volkes vorwaltete, die reine Demokratie, die