Buch 
Handel und Industrie des Kantons Glarus : geschichtlich dargestellt / Adolf Jenny-Trümpy
Entstehung
Seite
289
JPEG-Download
 

289

Obwohl die Abreise etwas überstürzt erfolgt war, fand dieAngelegenheit einen ziemlich günstigen Fortgang und Abschluss,Dank der Umsicht der vorausgesandten Experten und der Sach-kenntnis und Uneigennützigkeit der von ihnen in Anspruch ge-nommenen Landsleute. Yon den 193 Personen langten zwar nurnoch 108 am 15. August 1845 am Ziele an, indem 8 derselben, dar-unter 6 Kinder, auf der Reise gestorben waren und die Uebrigensich sonst vom Zuge abgetrennt hatten. Richter Dürst traf noch ver-schiedene Massregeln zur Verteilung des Landes, Einführung einerGemeindeverfassung für die Kolonie New-Glarus, Wahl derVorsteher etc. und trat dann seine Rückreise in die Heimat an,wo er, zur Berichterstattung sehnlichst erwartet, am 2. Dezemberwieder anlangte. Auf Ansuchen der Behörden von Bitten kaufte dererste Vorsteher, Frid. Streiff, im Jahr 1847 in der Nähe der erstenAnsiedlung 17 Vierzigacres-Lots, welche den Namen „Biltnertäli“oder „Bilten-Settlement“ erhielten, indem hier im Laufe der näch-sten drei Jahre 12 Familien aus jener Gemeinde ansässig wurden.

Begreiflicherweise hatten die Ansiedler längere Zeit mitgrossen Schwierigkeiten zu kämpfen und Entbehrungen durchzu-machen ; nach mehreren Jahren waren sie wenigstens so weit,sich eines reichlichen Unterhalts erfreuen zu können, während sieausser dem Mehrwert des urbarisierten Bodens noch nicht im Standewaren, etwas Nennenswertes bei Seite zu legen. Den grösstenSchritt vorwärts machten sie, wie einer der Ansiedler später demVerf. einmal mündlich mitteilte, während des amerikanischenSecessionskrieges 1861/65, da Fleisch, Käse und andere landwirt-schaftliche Produkte im Preise stark stiegen und die nördlichen,vom Kriege verschonten Landesteile von dieser Konjunktur reich-lich Nutzen ziehen konnten. Während die ersten Ankäufe nurzirka 1 /j 8 des Township umfasst hatten, gelang es den ersten An-siedlern und spätem Nachzüglern, im Laufe der Jahre das ganzebezügliche Gebiet zu erwerben, so dass New-Glarus eine derwenigen Kolonien ist, wo sich schweizerische Sprache und Sittenbis jetzt fast unversehrt erhalten haben; in der folgenden Gene-ration wird allerdings eine Aenderung nicht ausbleiben, da, wiees scheint, bei der Jungmannschaft das Deutsche vernachlässigtwird. Das eigentliche „Städtchen“ New-Glarus, am kleinen Zucker-

19