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Erster Band. A - H.
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Gesang.

Lieder verfasste. Als Reliquien des wah-ren Kreuzes Christi, die sich Radegunde vom Kaiser lustin aus Constantinopel er-beten hatte, unter festlichem Jubel in ihrneues Kloster, das man von da an ,Zumhl. Kreuz 4 nannte, übertragen wurden, dich-tete dieser gewandte Schriftsteller die zweiberühmten Hymnen vom hl. Kreuz: ,Vexillaregis prodeunt 4 und ,Pange lingua gloriosiproelium certaminis 4 , welche auch in kirch-liche Aufnahme gelangten. Ihm kommenferner zu die Mariengesänge ,Quem terra,pontus, aethera 4 und ,0 gloriosa domina,dann auch der Festgesang für die Oster-zeit : ,Salve festa dies toto venerabilis aevo 4und endlich der in Frankreich namentlichübliche Hymnus auf den hl. Dionys: ,For-tem fidelem militem 4 . Venantius For/unatusstarb als Bischof von Poitiers um dasJ. 600.

Wer aber als eigentlicher Begründer denwirksamsten Einfluss auf den römischenKircbengesang ausübte, das war Papst Gre-gor der Grosse 590—604 . Er gab dem,Ordo Romanus 4 oder den liturgischen An-ordnungen früherer Päpste dadurch einenbleibenden Bestand, dass er Einzelnes ver-besserte, das Fehlende ergänzte, das Un-zulässige ausschied, das Bessere von dembisher Uebliclien beibehielt, Neues hinzu-fügte, und so Alles bis zum Geringfügigenin entsprechendster Ordnung festsetzte. Umdem Kirchengesang grössere Mannigfaltig-keit und Abwechslung zu gewähren, er-weiterte er die vier, schon vom hl. Am-brosius eingeführten authentischen Ton-arten mit den vier plagalischen, sammeltedie für den Gottesdienst tauglichen Ge-sänge, verfasste, wo es ihm nöthig schien,neue Texte und versah sie mit Melodieen.Auf solche Weise entstand das berühmteAntiphonar Gregors d. Gr., das er eigen-händig niedergeschrieben und mit der altennota romana, nämlich den alten Neumen-zeichen, versehen hatte.

Gregors Thätigkeit erstreckte sich aberauch auf die Dichtung metrischer Hymnen,die er alle für den kirchlichen Gebrauchbestimmte. Nach Mone (Lat. Hymnen) wor-den seiner Autorschaft beiläufig ein Dutzendzugeschrieben, nämlich: Clarum decus ieiu-nii (Quadragesima); Nunc tempus accepta-bile (ditto); Ex more docti mystico (ditto);Audi benigne conditor (ditto); Lignum cru-•cis mirabile (de Passione); Veni creatorSpiritus (Pentecost.); Primo dierum omnium(de Dominica ); Immense coeli conditor (fer.II); Telluris ingens conditor (fer. III); He-rum creator optime (fer. IY); Nox atrarerum contegit (fer. V); Tu Trinitatis uni-tas (fer. YI).

Mochte auch das liturgische Gesangbuchdieses grossen Papstes von der gesummten

Kirche so freudige Aufnahme gefunden ha-ben, dass man zu Rom dessen Original nichtnur Jahrhunderte hindurch ehrfurchtsvollneben dem Altäre der hl. Apostel an einerKette befestigt aufbewahrte, sondern auchim Laufe der Zeit durch Tausende von Ab-schriften in allen Ländern des Occidentsverbreiten liess, so erscheinen Gregors Ver-dienste um den Kirchengesang nicht mindergross durch die von ihm ausgeführte Neu-gründung der römischen Sängerschule. Erwar es niimlic :, der eine solche Anstalt zuRom aufs neue stiftete, für dieselbe zweiGebäude, das eine unter den Stufen derS. Peterskirche, das andere in der Nähedes Laterans erbaute, sie mit genügendenEinkünften versah und den Gesanglehrern,namentlich dem Vorsteher derselben (Pri-micerius), eine entsprechende Besoldung an-wies. Diese Anstalt lag dem hl. Manne sosehr am Herzen, dass er sie öfter besuchteund die Zöglinge derselben persönlich imG. unterrichtete. In der That hatte diesergrosse Papst den erhebenden, in sein Anti-phonar niedergelegten Melodieen erst durchseine berühmte Sängerschule einen dauern-den Fortbestand verliehen, indem sie da,wo die alte Neumenschrift in der nähernBestimmung der Töne nicht ausreichte, durchlebendige Tradition die Lücken ersetzte.Bald und wiederholt wanderten Sänger, diein dieser Schule ihre Bildung erhielten,nach verschiedenen Ländern, um dahin dieunverfälschten Melodieen Gregors zu ver-pflanzen ; Andere zogen nach Rom , umselber aus der Urquelle reinen Trank zuschöpfen und denselben in ihrer Heimatwieder zu verwerthen.

Auf solche Weise ward das Werk, mitdem der hl. Gregor seine Kirche beschenkthatte, ein Gemeingut aller christlichen Län-der, und um durch erhebende Weisen zurAndacht gestimmt und zu Gott gehobenzu werden, bedurfte es keiner Pilgerfahrtmehr nach der thebaischen Wüste. Balderhoben sich Tausende von geistlichen An-stalten, wo in mitternächtlicher Stunde derFeierklang dos Invitatoriums ,Venite exul-temus Domino 4 den Dienst der Naehtvigilieneröffnete, wo die ehrwürdigen Weisen deralten Psalmodie mit den ausgedehntenMelodieen der R e s p o n s o r i e n und demeinfachem Vortrage der Lectionen wech-selten und an Sonn- und Festtagen alsSchluss des nächtlichen Gottesdienstes diemajestätischen Klänge des ambrosiani-schen Lobgesanges die Tempelräumeerfüllten. Daselbst vernahm das frommeVolk mit der aufsteigenden Morgenröthedie Gesänge des Morgenlobos (matutina laus)mit seinen Antiphonen und Psalmen,hl. Hymnen und Gebeten, und ihm folg-ten in abgemessener Unterbrechung die