Hymnen, Hymnologie.
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Reichthum der Bilder und den poetischenReiz im Ausdruck und Rhythmus. DerGrund, warum die älteren Hymnen, selbstdie eines Gregor von Nazianz , keine Auf-nahme in der Liturgie fanden, dürfte mitin der Form liegen, nach welcher sie theilsgeradezu an die heidnischen Lieder an-schliessen, theils erst in einem Uebergangs-stadium zu den späteren Ilymnologen dergriechischen Kirche stehen, welche ihreStrophen nicht mehr nach den antikenKunstformen und den Regeln der Quantität,sondern auf numerischer Silbengleichheitund Harmonie des Accents aufbauten. —Zur Litteratur: Daniel Thesaur. hymnolog.t. III, Lips. 1855; Christ u. Paranikas An-tholog. graec. carm. Christ., Lips. 1871 (mitwerthvollen Prolegomena); Pitra Analectasacra spicil. Solesm. parata, Paris 1876;alle drei Sammlungen leider immer nochnur Anthologieen. Pitra Hymnographie del’eglise grecque, Rome 1867; Stevenson Durhvthme dans l’hymnogr. de l’egl. grecquc,Paris 1876.
Aelter als die griechische ist die Hymno-logie in der syrischen Kirche. Führtdoch die Kirche von Antiochien ihre San-gesweise auf den hl. Ignatius zurück, derin einer Vision den Gesang der Engel ge-schaut und danach den Gebrauch antiplio-nischer Hymnen eingeführt habe ( Socrat.II. e. VI 8). Gegen Bardesanes, Marcionund andere Häretiker entwickelte sich danngleichzeitig mit Gregor von Nazianz derhl. Ephraem (f nach 379) zum classischenIlymnologen der Syrer. Voll Begeisterungfür Orthodoxie und christliche Tugend be-singt er in unzähligen Oden die Geheim-nisse des Glaubens, verherrlicht die Feste,preist die Märtyrer, mahnt zur Busse, zumFasten, zu sittlichem Leben; in Hymnenbetet er für die Todten, und nicht wenigevon ihnen dienen zum apologetischen Kampfgegen Unglaube und Zweifel. Ist bei einerüberaus grossen Fruchtbarkeit der poetischeWerth mancher Stücke gering, die Nation,die an vorsificirten Predigten Geschmackfand, störte sich daran nicht, die Glaubens-glutli, die aus allen weht, und der Eifer,mit dem der hl. Dichter sogar selber dieChöre einübte, welche in seinen Liederndie Orthodoxie vortheidigen sollten, recht-fertigen die Ehrennamen, welche ihm dieZeitgenossen gaben und die ein grosserTheil seiner Hymnen auch durch ihren poeti-schen Werth ihrem Verfasser sichern. Diespäteren syrischen Ilymnologen: Jakob vonSamt} (f 521, die ,Flöte des hl. Geistes,Harfe der Kirche 1 ), Rabulas von Edessa,Isaak d. Gr. u. A. schliessen nach Formund Inhalt an Ephraem an; die Hymnender syrischen Liturgie sind ausschliesslichEphraem und seinen Schülern entnommen.
Assemani Biblioth. Orient, t. I u. III; Da-niel t. III; Overbeck S. Ephraem Syr., Ra-bulae ep. Edess. Balaei aliorumque operaselecta, Oxon. 1865; Bickell S. Ephr. Syr.carm. nisibena, Lips. 1866; dess. S. IsaaciAntioch. opera, Gissae 1873 (vgl. dess. Con-spectus rei literar. Syr.). Deutsche Ueber-setzungen aus Ephraem von Zingerle (Bd.4 u. 5 der ausgewählten Schriften, Innsbr.1833), aus dem Sacerdotale der Maronitenvon demselben (Tüb. Quartalschr. 1873), ausdem Brevier der Nestorianer von Schön-felder (Tüb. Quartalschr. 1866).
In der lateinischen Kirche ist derPrivatgebrauch der Hymnen schon vonden ältesten Zeiten her bezeugt. SchonTertullian nennt unter den häuslichen Tu-genden frommer Eheleute den Wetteifer imAbsingen von Psalmen und Hymnen (Aduxor. II 9: sonant inter cluos psalmi ethymni et mutuo provocant, quis melius Deosuo cantet). Dagegen befindet sich Bing-ham ohne Zweifel im Irrthum mit der Be-hauptung, als ob auch die Hymnodie seitden ältesten Zeiten ein Bestandtheil desöffentlichen Gottesdienstes gewesen sei (lib.XIV, c. 1, t. VI 25). Seine Beweise (lib.XIII, c. 5) sind nur für die Psalmen undsolche Theile der Liturgie zwingend, die,wie die grosse Doxologie und die Präfation,wol gesungen wurden, aber ametrisch wa-ren und darum mit den übrigen Gebetenauf die vermeintlichen Urheber der Litur-gieen zurückgeführt wurden. Wenn auchdi.e Stelle bei Augustinus (Conf. IX 7) demhl. Ambrosius nicht die Einführung derHymnodie überhaupt, sondern nur der orien-talischen Art des Wechselgesangs der Hym-nen zuschreibt, so wird doch auch die er-stere von Ambrosius selbst angedeutet (Or.contr. Auxent.: hymnorum quoque meorumcarminibus deceptum populum ferunt) undvon Anderen geradezu behauptet (Paulin.Vit. s. Ambros. 13: hoc in tempore pri-mum antiphonae, hymni ac vigiliae in eecle-sia Mediolanensi celebrari coeperunt; Isid.Ilisp. De eccl. offic. I 6: inde hymni Am-brosiani vocantur, quia eius tempore primiin ecclesia Mediolanensi celebrari coeperunt,cuius celebritatis devotis dehinc per totiusoccidentis ecclesias observatur). Endlichsteht Binghams Ansicht nicht nur mit demConcil von Laodicea , sondern auch mit zweiabendländischen Synoden im Widerspruch,nämlich mit dem Concil von Braya (563),welches mit Berufung auf die Kanones allemetrischen Gesänge verbot (c. 12: nil poe-tice compositum in ecclesia psallatur, sicufcet sancti praccipiunt canones) und demvierten Concil von Toledo (633), welches■zwar den Hymnengesang vorschrieb, aberausdrücklich anerkannte, dass or in derapostolischen Tradition nicht enthalten sei