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Erster Band: Unter-Italien.
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4. Neapel (Geschichte, 1494-1528).

liehen Korporationen beschufen das Uebrige«.Die Seidenkultur erfreute sich seiner be-sondern Gunst sowie auch die Bnch-druckerkunst; hochberühmte Rechtsgelehrteerhielten durch ihn Förderung. Den be-rühmten Historiker und Dichter Pontnnusernannte er zum Lehrer seines Sohns.Eine zahlreiche Nachkommenschaft vonSöhnen und Töchtern, welche in Bildungund Kenntnissen auf der Höhe ihrer Zeitstanden und die er mit Gliedern der ange-sehensten Familien zu vermählen bedachtwar, erhöhte den Glanz des I-Iofs. Denfranzösischen Parteibildungen suchte erdurch Verstellung, Hinterlist, gewaltsameVerhaftung und tückische Verleumdungen zubegegnen. Im übrigen überliess sich Fer-rante ausser der Jagd, die er rücksichtslosübte, noch zweierlei Vergnügungen: »seineGegner entweder lebend in wohlverwahrtenKerkern, oder todt und einbalsamirt, in derTracht, die sie bei Lebzeiten trugen, inseiner Nähe zu haben«. Seine Opfer warenfast lauter Männer, deren er sich durchVerrath (selbst an seiner königlichen Tafel)bemächtigte. Der tüchtige und reiche Con-doltiere Piccinino verschwand so im CastelNuovo . Wahrhaft teuflisch war das Verfah-ren gegen seinen alten kranken Px’emier-minister Antonello Petrucci , der in wachsen-der Todesangst sein Leben durch fortwäh-rende Geschenke an Ferrante erkaufenmusste , bis endlich ein Anschein von Theil-nahme an der letzten Baronenverschwörungden Vorwand zu seiner zugleich mit Coppolaerfolgenden Hinrichtung gab.

Als Ferrante hochbetagt voll innererSorge und Qual 1494 ins Grab stieg und seinSohn Alfon.so II., ein wilder, grausamerFürst, der vor dem Vater die Offenheit vor-aus hatte, ihm folgte, war das Land intiefster Gälirung und der französische Königbereits im Anzug, begleitet von neapolita-nischen Flüchtlingen der angiovinischen Par-tei. Schon im darauffolgenden Jahr segelteAlfons als Flüchtling nach Messina , wo er alsMönch starb, und sein junger Sohn Ferdi-nand II. wich der französischen InvasionKönig Karls VIII., der mit 50,000 Mann nachItalien zog, die Rechte der Anjou zurück-zufordern. »Noch nie ist ein Königreichmit so leichter Mühe erobert worden, alsdas neapolitanische im Jahr 1495; noch nieeine Dynastie so schmachvoll gefallen, alsdamals die aragonische.« Ohne einenSchwertstreich hielt Karl seinen glänzendenEinzug in Neapel , liess sich krönen, gabfeefehl, die werthvollsten Kunstwerke aufdie Schiffe zu bringen, Montponsier ixnd.Bourbon sollten mit den übrigen TruppenNeapel und das Königreich beschützen.Aber Ferdinand II. landet mit sicilischenSchiffen in Kalabrien und erobert mit Hülfeeiner spanischen Flotte und eines Land-lieers unter Gonsalvo de Cordova, unterstütztdurch ein vcnetianisclies Geschwader, dieHauptstadt wieder; doch starb er schon1490 im 29. Jahr. — Sein Oheim Federigofolgte ihm; 1500 verband sich Ludwig XII.

von Frankreich mit Ferdinand und Isdbellavon Spanien , um mit vereinten Kräften dasKönigreich Neapel zu erobern. Vergebenserbot sich Friedrich, wie einst Ferdinand,die Lehnshoheit Frankreichs über Neapel anzuerkennen. Die zweite Eroberung Nea-pels ging ebenso rasch und widerstandslosvor sich wie die erste. Das französischeHeer rückte 1501 über die Grenze und ver-breitete durch wilde Scenen von Mord, Plün-derung xind Grausamkeit solchen Schrecken,dass sich König und Volk vor der Ueber-macht beugten. Friedrich ergab sich demfranzösischen Flottenführer und segelte alsSchutzflehender nach Frankreich , erhieltdie Grafschaft Maine und eine Leibrente,und starb schon 1504 in ehrenvoller Müsse.Er war der letzte Aragonese, das ge-bildetste Glied des Hauses, dem der DichterSannar.aro tiefgefühlte Verse gewidmet. »Beiallen Fehlern und Untugenden hatte sichdie aragonesische Linie wenigstens denRuhm erworben, die Kultur und Handels-blüte des Landes eifrig gefördert zu haben;mit Friedrichs Wegführuug brach für Neapel eine Nacht nationalen Unglücks herein, diealle Errungenschaften früherer Geschlech-ter allmählich in ihren dunkeln Schoss ver-senkte.« *

1502 wird Federigo’s Sohn Ferdinandan Spanien ausgeliefert. — Nach demTheilungsvcrtrag sollten die Abruzzen unddie Terra diLavoro den Franzosen, Apulien und Kalabrien den Spaniern gehören. Grenz-streitigkeiten entzweiten rasch die Spanierund Franzosen . In der Schlacht von Cerignola(1503) feierten die Spanier unter Gonsalvo.einen grossen Sieg, am 14. Mai hielt derselbeseinen Festeinzug in Neapel . Die geschicktenOperationen des Kriegsbaunieisters PedroNavarro , der hier die ersten Pulverminenanwandte, brachten kurz darauf auch Casteldell’ Ovo und Castel Nuovo in die Händeder Spanier. »Die Vereinigung Neapels mitder spanischen Monarchie war dasGrab der nationalen Freiheit Neapels , derAnfang seiner politischen Ohnmacht.« —Gonsalvo de Cordova, der mit so geringenMitteln dem König von Spanien das schönsteKönigreich der Erde erobert, ward zumVicekönig Neapels ernannt, wo der wohl-gesinnte, freigebige und fcingebildete Feld-herr, Humanität mit Gerechtigkeit vereini-gend. eine fast souveräne Gewalt ansübte.Der König von Spanien, beunruhigt überdessen wachsende Macht, besuchte seinneues Königreich persönlich und führte,nachdem er mit unerhörter Pracht in Neapel eingezogen, den »grossen Feldherrn« mitden höchsten Ehrenbezeigungen nach Spa-nien ! Vom Hof entfernt, begab sich Gon-salvo nach Loja im Maurenland Granada ,wo er noch 9 Jahre abgeschieden von derWelt den Wissenschaften lebte. 50 Tagenach seinem Tod starb auch der König (1516).

Unter den spanischen V i c e lc ö n i -gen (1503 —1707) war das Jahr 1526 einsder unglücklichsten für Neapel ; Krieg,Hunger und Pest bedrängten es. Frankreich