Band 
Erster Band: Unter-Italien.
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8. Pompeji (Malereien).

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Springbrunnen sowie endlich noch aufdie schöne Gebirgslandschaft als Hinter-grund! Ueberall die heiterste Farben-pracht und ein sinniger Wechsel, meistder der Erde zugewandte Sockel dunkel,die mittlere Wand roth, grün oder gelbund die Oberwand weiss, Licht undLuft wiederspiegelnd.

Die Ornamente sind jetzt nochmassgebend in der Kunst, die Malereiensind die lebendigsten Zeugen, wie dieklassische Kunst der Griechen dasgrosse Gemeingut der Römer war, ausdessen Fülle in freiester Verwendungder pompejaniselie Künstler reichlichschöpfte. Auch die Mosaikgemälde eifernder eigentlichen Malerei glücklich nach.Ein Grundzug, der schon in der Wahlund Behandlung der Gegenstände sichbemerkbar macht, ist die Vermeidungder kräftigen, strengeren Formen unddas Bevorzugen des Zierlichen, Anmu-thigen und selbst Ueppigen. Ueberallzeigt sich die Abhängigkeit der rö-mischen Epoche von der griechischenKunst, wie sie sich seit Alexander d. Gr.entwickelte, immerhin noch eine quel-lende Fülle von Schönheit, aber nichtmehr der hohe Ernst echt hellenischerFormen, sondern die zierliche Anmuthund die Leidenschaft.

Bewunderungswürdig bleibt, dassbei aller Flüchtigkeit der Mehrzahl die-ser Arbeiten, da sie ja meist nur Hand-werkerleistungen einer mittler« Land-stadt uud blosse Dekorationsmalereiendes kurzen Zeitraums von 63—79 n. Chr.sind, dennoch ein so reines Stilgefühlund ein so quellender Phantasiereich-thum sich geltend machen konnte. Diepoetische Umrankung aller Flächen, diespielende Beigabe von allerlei Geräthen,Masken, Vögeln, Meerthieren u. dgl.,das kräftige Farbenspiel der Wände,die luftige, phantastische, gemalte Ar-chitektur mit ihrem anmuthigenGesims-und Giebelschmuck, Sphinxen, Genien,Viktorien, Putten, Tritonen u. a. , dieschwebend liingehaucliten Gestaltenmitten in der farbigen Fläche, die mun-teren Anspielungen im Genrebild, Still-leben und Landschaft, endlich die Stil-

schönheit unddiesinnigeWahl der Haupt-bilder offenbaren in aller Fülle das reichePhantasieleben jenes heitern, genusslie-benden Volks der ersten Kaiserzeit.

»Und so deutet der jetzige ganz wüsteZustand einer erst durch Stein- und Aschen-regen bedeckten, dann durch die Auf-grabenden geplünderten Stadt auf eineKunst- und Kilderlust einen ganzen Volks,von der jetzt der eifrigste Liebhaber wederBegriff, noch Gefühl, noch Bedürfnis hat.«

(Goethe.)

Fast alle Wandmalereien, sowohl diefarbigen Gründe, wie die auf denselbenstehenden Ornamente, Einzelfiguren undabgegrenzten Bilder, sind a fresco auf-getragen , Leimfarben - und Tempera-malerei finden sich nur aushiilfsweise.Die ideal gehaltenen Gemälde mythi-schen Stoffs sind bedeutenden Origina-len mit grösserer oder geringerer Frei-heit nachgebildet und stehen in ge-nauem Zusammenhang mit der kurzvorangegangenen alexandrinischen Dich-tung. Ein Grundstock von Darstellun-gen kehrt in jedem grossem Haus wie-der (Strafe Aktäons, Ariadne und The-seus, Paris ’ Urtkeil u. a.); daneben trifftman immer wieder ungewöhnlichere.Eine nähere Kenntnis der verschiedenenKunstepochen in Pompeji ist nur bei Be-rücksichtigung des Zusammenhangs derBilder und der Architektur zu erlangen.Eine zweite Klasse realistischer Dar-stellungen der gemeinen Wirklichkeit,welche das bürgerliche Leben der Mu-nicipalstadt oft trefflich charakterisiren,sind von untergeordneteren Künstlernnachlässiger verfertigt, stehen aber auchin der Zahl den. anderen weit nach.

Die historische Entwickelung der Deko-rationsweise hat in neuester Zeit Man aufbestimmte TTincipien zttrückznführen ge-sucht. Die Casa di Sallnstio und die Casa delFauno repräsentiren danach den ältestenStil der Dekoration, d. h. die plastisch inStuck ansgeführte Nachahmung der Wand-bekleidung mit Tafeln mehrfarbigen Mar-mors. Die Casa del Laberinto zeigt dennächsten Fortschritt, wie die Marmorinkrusta-tion der Wände durch Malerei nachgeahmtwurde; man malte auch Säulen auf dieWand, die entweder auf dem Fussbodenoder auf dem Sockel aufsetzen; anch istzuweilen oberhalb des Karnieses eine Porti-cus mit schlanken Säulchen als erste Andeu-tung der späteren phantastischen Architek-turen gemalt. Die Nachahmung von Marmor