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11. Castellanmre mul Sorrent.
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Jahr, nach der unglücklichen Insulte, dieihn im Saal des Herzogs Alfonso zu Ferrara das Schwert ziehen liess, floh Tasso inseinem kranken, erregten Zustand, als Alba-neser Hirt verkleidet, hierher in seine Ge-burtsstadt zu seiner geliebten SchwesterCornelia.
Wo wohnt Cornelia? Zeigt mir es an,Cornelia Sersale? Freundlich deutetMir eine Spinnerin die Strasse, sieBezeichnet mir das Haus. So steig ich weiter.
(Goethe.)
Aus der alten Zeit, obschon Sorrent bereits unter Angustus prächtige Tempelund Villen hatte und damals grösser alsNeapel war, sind nur höchst unsichereBenennungen antiker Reste vorhanden;im O. bei Villa Majo Ziegelreste des»Cerestempels«; auf dem Felsen, vondem man zum Meer niedersteigt, jetztMarina grande genannt, stand der Tem-pel der Venus genitrix / bei llota siehtman die Reste eines CirJ&us; im altenFriedhof fand man bemalte Vasen, an-tike Münzen von Marseille, Gallien undden Balearen, was auf bedeutende Han-delsverbindungen schliessen lässt. Aufdem Lido stand einst der Tempel derMinerva, am Portiglione der Tempel desHerkules, auch ein Tempelehen der Circe .— Auf dem öapo di Sorrento (20 Min.westl.) sind Reste eines Neptuntempelsund einer runden Piscine; in dem fol-genden Dorf Polo will man eine Villades Vedius Pollio erkennen. Noch siehtman bei Sorrent hier unddaBruchstückeantiker Aquädukte und Cisternen.
Sorrent wird von Neapel aus und vonFremden aller Nationen zu längeremAufenthalt gewählt, aber vorzugs-weise im Sommer, weil es an derSchattenseite gegen N. liegt. Die Küsterings umher ist berühmt durch ihre ma-lerisch grandiose, jäh niederstürzende,30 — 60 m. hohe P'elsemcand mit pitto-resken Höhlen und tiefen (theilweisekünstlich abgeschrofften) Einkerbungen,durch welche man zu den » Gale «, wodie Schiffe sich bergen, gelangt.
Allbekannt ist die so häufig clai’gestellteSchlucht, die oben das Bild der Villen unddes Doms und mitten im senkrecht umklaff-ten Felsscblund die Bogenbriieke zeigt.
Die reizende Lage und ebenso köst-liche südliche Vegetation gaben dem
Ort in den Volkscanzonen den Namender »gentile«; seineProdukte: *Orangen,Limonen, Citronen, Nüsse, Butter, undselbst seine Kälber und Schweine, sinddie berühmtesten am Golf. Der Weinist kirschfarbig, leicht und sehr ange-nehm. Die »Amabilitä« und die »Bel-lezza« der Frauen ist weltberühmt durchden Garten Armida’s, den sie bewohnen,lind ihr prächtiges Haar sprichwörtlich.
»0 fortunato percgrin, cui lice
Giungere in questa terra alma e felice.«
(Tasso.)
Die Tracht der geputzten Sorrenti-nerin, jetzt freilich mir noch eine Re-miniscenz, ist ein Mieder von purpur-farbenem Sammet und ein blauseidenesKleid, das unzählige Falten wirft; dasHaar antik geordnet und mit einer sil-bernen Nadel durchsteckt.
Im Ort selbst besuche man einigeder berühmten *Intarsiaturen-Fabriken,eine künstlerisch nicht unbedeutendeSpecialität Sorrents. Die elegantesteund vorzüglichste befindet sich dem Dom-thunn gegenüber, im ersten Drittel desCorso Tasso r.: *öav. Luigi Gargiulo ineinem pompejanisch geschmückten Hausmit (von den bedeutendsten Ausstel-lungen preisgekrönten) eingelegten Holz-gemälden, köstlichen Genrebildern aufTruhen, Kassetten, Tischen u. a. — ImErdgeschoss kann man die verschiedenenManipulationen selbst in Augenscheinnehmen. Der Eintritt ist frei, die Be-sitzer sind von der grössten Zuvorkom-menheit. — Auch Michel Grandville ;Giuseppe Gargiolo, Jovino u. a. habengrossen Ruf in diesen Arbeiten. — Nebender Rückseite der Fabbrica Luigi Gar-giolo ist an der Strada S. Cesareo in derhübsch ausgemalten Loggia des H: Sedileeine kleine Sammlung interessanter*Antiquitäten: Flachreliefs (geflügelteThiere) noch aus saracenischer Zeit,Sarkophage, Vasen, Grabinschriften,Aren, aus römischer Zeit, mit Reliefs;Kampf der Amazonen und Griechen,Bacchanal, Procession Kybele’s, Tro-phäen. — Der untere Theil einer ägypti-schen knicenden Statue (Vater des Se-sostris; 16. Jahrh. v. Ohr.) u. a. — Im