Band 
Erster Band: Unter-Italien.
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20. Ton Rom über Avezzano nach Neapel .

das köstliche Thal ist ganz von Bergenumringt und nur durch eine enge Fels-schlucht geht der Fluss, meist verdeckt,nach Tagliaeozzo hinab. — Auf dem Fel-sen daneben steht in Trümmern di eJBurgder alten Grafen von Tagliaeozzo, eineweite Ringmauer, oben durch eine vier-eckige Veste mit starken Thoren undThürmen geschlossen. — Nach 3 /4 St.

(85 Kil.) Tagliaeozzo, mit 7400Einw., blühendes Städtchen am obernEnde der Campi Palentini, mit zweigothisehen Kirchen aus dem 13. Jahrh.

Da, wo der Imele aus tiefer, schrofferSchlucht hervorbricht, ist der Ort, von demaus der unglückliche Konradin (der letzteSpross des grossen deutschen Kaisexge-schlechts der Hohenstaufen ) am 23. Aug.1268 den aus Aquila nach Scurcola gekom-menen Karl von Anjou angriff. Bei Rio-freddo überstieg das I-Ieer Konradins dasrauhe Gebirgsland, drang ungehindert durchdie Distrikte von Carsoli in die Abruzzenund stieg in das Thal des Salto nieder. Hierstellt sich dem Blick das grossartige Theaterdes Marsenlands dar, mit himmelhohen.,von Schnee bedeckten Bergen, zu derenFüssen der tiefblaue See von Fucino pracht-voll hervorglänzt; ringsum stehen die Mar-senstadte Avezzano, Tagliaeozzo, Celano,Antino und Alba. — Als Konradin gegenTagliaeozzo rückte, fand er zu seinem Er-staunen, dass der Feind bereits den FucinerSee erreicht hatte und sich der Stadt Albanäherte; der Salto trennte die feindlichenLager; das Heer Konradins bildete zweiSchlachthaufen, den ersten unter dem In-fanten, dem Grafen Galvan und GerardDonoratico von Pisa , den zweiten meistdeutsche Ritterschaft, unter dem Befehl derbeiden Jünglinge Konradin und Friedrich.Am Morgen cles 23. Aug. setzte zuerstHeinrich von Kastilien über den Fluss, um-ging die Proventjalen an der Brücke underöffnete mit Ungestüm den Kampf. Alsdie Scharen Konradins über den Salto vor-drangen und sich mit feuriger Wuth aufdie Feinde stürzten, warf ihr unwidersteh-licher Stoss die feindliche Schlachtordnungnieder; die erste Linie der Proven£alenwurde zermalmt, die zweite der französi-schen Ritterschaft zerbrochen. Als der 1Mar-schall von Cousance. welcher Karls von AnjouRüstung trug, mit dem Schlachtenbannervom Rosse sank und augenblicklich in Stückegehauen ward, verkündete ein donnerndesSiegesgeschrei deu Tod des Usurpators.Die französischen Scharen stürzten in wilderFlucht davon, und hinter ihnen verfolgendHeinrich von Kastilien , der Held des Tags.Deutsche und Toskaner warfen sich plün-dernd auf (las feindliche Lager und alleOrdnung löste sich im Schlachtfeld auf,dessen Palme der siegestrunkene Konradinin seinen Händen hielt. Karl befand sich

in einem Versteck auf einem Hügel, vonwo er auf die Flucht seines Heers herab-sali; der Verlust der Schlacht war unfehl-bar der Zusammensturz seines Throns.Plötzlich brach seine Schar aus dem Hinter-halt hervor; 800 Ritter stürzten mit einge-legten Lanzen auf das Schlachtfeld, unddiese frische Schar genügte, die aufgelösten,mit der Plünderung beschäftigten TruppenKonradins zu zerstreuen, zu vernichten, injähe Flucht zu treiben, während sich diezersprengten Franzosen um jenen Kernwieder sammelten. Die Flucht war allge-mein, die Niederlage schrecklich. Als dieNacht auf das Feld von Tagliaeozzo gesun-ken war, sass der finstere Karl wieder inin seinem Zelt und diktirte an den Papstden Siegesbericht. Konradin floh vomSchlachtfeld mit 500 Reitern, mit ihm seinGefährte Friedrich von Baden , der GrafGerhard von. Pisa, Galvan Lancia und dessenSohn sowie andere Edle. Er wandte sichzuerst nach Castel Vecchio bei Tagliaeozzo,wo er eine Weile rastete, dann floh er aufder Via Valeria weiter nach Vicovaro .

( Gregorovias.)

In seltsamen Gegensatz tritt die Prachtder Umgebung von Tagliaeozzo zu dieserdunkeln Tragödie, besonders wenn man aufder Höhe des überragenden Bergs vom*allen Schloss herab die weite üppige, vongrossartigprofilirten Bergen umzogene Ebeneüberschaut und überall die Reize des be-häbigen, quellenden Lebens vor sich sieht.

Die Strasse führt durch die Ebeneder Campi Palentini, welche hier dieniedrige Wasserscheide des Tiber unddes Garigliano bildet, längs der Rich-tung der antiken Via Valeria (mit seit-lichen Spuren von antiken Gräbern) nach(95Kih) Scurcola, mit 3500 Einw.,an dem untern Hang eines Hügels, wo derbebaute breite Bergrücken, welcher diegrosseEbene in zweiThäler theilt, endigt,mit einem von den Orsini 1269 erbautenKastell; starke Äniskultur. Inder KircheS. Maria befindet sich das bemalte Holz-bild der Madonna, das Karl von Anjou in Frankreich hatte fertigen lassen unddas 1525 unter den Ruinen der Abteiaufgefunden wurde.

20 Min. von der Stadt, unweit des Te*Ione, erhebt sich auf dem nach Tagliaeozzobenannten Schlachtfeld die Ruine des Klo-sters S. Maria della Yittoria, das Karl vonAnjou 1277 zum Andenken an seinen Siegerbauen liess, wie Villani sagt: »per l’animedella sua gento morta«, wozu Vasari bei-fügt, dass Kicola Pisano dies Werk zur gröss-ten Zufriedenheit des Königs vollendet habe,und dass Karl daselbst (»in essa«) die un-glaubliche Zahl von Todten habe begrabenlassen, welche an jenem Tage gefallen