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Zweiter Band: Sicilien.
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Käubenveseii,

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Individuen, Waffen oder Gegenstände, diemit jenen Verbrechen in Verbindung stellen,vorhanden sind. Die Inkulpirten seien nachbeendigter Voruntersuchung, jedoch nichtspäter als 14 Tage nach ihrer Verhaftung, dem(Jericht zu übergeben, das ihnen in keinemFall provisorische Freiheit zu ertheilen be-rechtigt sei, oder sie können für 1—5 Jahreinternirt werden durch Ministerialerlass aufden Vorschlag einer lokalen Junta, die vomPräfekten präsidirt ist und an welcher derPräsident und der königliche Prokurator dercivilen und korrektioneilen Tribunale theil-nelimen. Diese Junta hat die Angesclml-digten einzuvernehmen und kann, wenn sie<‘inen Bescheid über ein Individuum, dasnicht verhaftet ist, zu fassen hat, diesesdurch einen, mittels eines Agenten der öffent-lichen Macht notificirten Akts citiren. DieGerichte können Personen, welche zur Ab-gabe von Indikationen oder zur Aufklärungüber Begebnisse, die sich auf jene Ver-brechen und Individuen beziehen, cinberu-fen sind, und welche falscher Zeugnisse oderder Verschweigung in ihren Depositionenoder Deklarationen verdächtig sind, im Ver-haft behalten.« — Die Linke griff diesenGesetzentwurf mit Heftigkeit an, da ein po-litischer Zweck , eine Art Staatsstreich dar-unter verborgen liege. — Der Deputirte Tom-masi-Crudcli fügte nun zur UnterstützungMinghetti’s hinzu, dass es in Sicilien Ge-meinden gebe, welche einen jährlichen Tri-but den Brigantenbanden bezahlen, um ge-gen die Räuberanfälle sicher zu sein, ja,dass die gewissenhaften Magistrate der Inselstets zwischen Leben und Tod schweben,die Gesehworncn bedroht werden und einenSchuldigen nicht verdammen können, dieJury nur funktionire, um verneinend aufdie ihr gestellten Fragen zu antworten. —Zwei Deputirte der Linken erinnerten daran,dass die gouverncmentale Administration mitden Räubern zu transigiren sich genötliigtsah, weil sie denselben gegenüber zu schwachwar, und Minghetti antwortete, man ver-gesse die Ermordungen auf den öffentlichenPlätzen in Sicilien in Gegenwart einer Be-völkerung, innerhalb deren es unmöglich sei,(«in einziges Individuum zu finden, das ge-gen die Mörder Zeugnis leisten möchte. —Tajaui, Exprokurator von Palermo, Depu-tirter der Linken, beschuldigte die Regie-rung selbst der Konnexion mit dem Räuber-wesen, gab aber zu, es existire eine Maf-fia als geheime Verbindung von Uebelthä-tern über ganz Sicilien, ohne Statuten undregelmässige Organisation und Zusammen-künfte, aber gemeinsam durch dasVerbrechenlebend und sich bereichernd; die Maffiosihaben eine Gerechtigkeitspflege, welche nichtdie der Socialjustiz ist; ihre Verdikte sindunerbittlich und rasch: ein Zeuge, durch dieMaffia verurtheilt, ist in 24 Stunden getödtet.Der Präfekt von Palermo schrieb am öl. Juli1874: »Man könnte die Maffia definiren alsein verborgenes, verderbliches Unternehmen,mittels dessen in einem Land, wo die Kor-ruption und die Reaktion gegen die Autori- |

tat ein Erbe der vergangenen Regierungsind, Leute aller Klassen sich gegenseitigHülfe leisten, zum Zweck der Verteidi-gung, des Raubes, des Gewinns, der Verge-waltigung, der Rache, indem sie sich allerMittel bedienen, welche das Gesetz, die Sitt-lichkeit und die Civilisation verabscheuen.Die Maffia durchdringt alle Klassen der Ge-sellschaft; der Reiche übt sie aus, um seinePerson und seine Güter zu sichern und denEinfluss zu bewahren, den ihm die jetzigenfreieren Institutionen rauben; der kleineBürger macht mit aus Furcht vor Rache,oder aus Sucht nach Popularität, Gewinn,Ehre; der Proletarier pflegt sie aus Hassgegen die Besitzenden, aus Trägheit oder inHoffnung auf eine schönere Position. DieMaffia der untersten Klassen geht meist Hin-auf Erpressungen aus; der Verband der städ-tischen Maffia mit derjenigen auf dem Landerleichtert die Verbrechen; es fehlen alleBeweise, da niemand Klage zu führen wagtund die Zeugen stumm sind. Die Grade derMaffiosi sind: der aktive Maffioso, der Räu-ber, Dieb, Mörder; der geheime Maffioso, wel-cher die Berichte sammelt und an der Ver-breitung der Verbrechen arbeitet; der Slauu-tengolo, der aus Furcht oder Interesse siehzum Beschützer der aktiven Maffiosi macht.Ihre Novizen, Sgaraglioni, müssen zuerst Be-weise ihrer Geschicklichkeit, Kühnheit undVerschwiegenheit ablegen; sie beginnen mitder Bezahlung einer Abgabe an die Maffia«.Der Präfekt von Trapani berichtet, »dass dieKorporationen, welche die grösste Zahl derMaffiosi in seiner Provinz liefern, die am-bulanten Händler, die Barbiere, Bäcker,Müller, Kutscher, Kärrner, Ziegenhirtenseien. Das Gesetz der Maffia sei, sich mitden iibelberüclitigtsten Individuen in Ver-bindung zu setzen, mn beständig mit. denbegangenen oder zu begehenden Verbrechenauf dem Laufenden zu sein, über die Ver-brechen, bei denen man zugegen war, zuschweigen, durch falsche Zeugnisse die be-gangenen zu verwischen, die Angeklagtenzu befreien, Subsidien von den Reichen zubeziehen, unter dem Vorwand, sie zu be-schützen, die öffentliche Gewalt allezeit zuhintergehen, die,Regierung' als eine immo-ralische und räuberische zu verdächtigen!«— Der Präfekt von Caltanisctta setzte nochhinzu: »Mittels der Alta Maffia zwingt mandie Besitzer, einen Pachthof, ein Feld, einenWald, den man zu besitzen wünscht, zu nie-deren Preisen zu verkaufen, nöthigt. denReichen zu einer beliebigen Vcrheirathungseiner Tochter; in den Städten sucht dieMaffia den Tod der mit Erbgütern Gesegne-ten zu beschleunigen, die Magistrate zu be-stechen, die Funktionäre zu betrügen, einProtektorat auszuüben, in jeder Weise sichzu bereichern, die einträglichsten Aemter zuerhalten und auch die Kommunalgüter inKontribution zu setzen«. — Seit diesen Er-klärungen, welche Sicilien fast zu einemRäuberstaat herabsetzten, ist freilich dasMinisterium Minghetti gefallen, und diePräfekten sind zumeist durch andere ersetzt