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Kunstgescliiclitliclies (Tempel).
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artig 1 zusammen und der Tempel wird zumlanggestreckten Rechteck; die Säulen habennoch nicht ihre spätere Höhe, messen durch-weg weniger als fünf untere Durchmesser,sind stark verjüngt und noch nicht aus Trom-meln zusammengesetzt, der Hals ist etwascingckehlt und der Echinus.wächst nochnicht organisch aus dem Schaft hervor, hateine sehr weite Ausladung und ein weichesProfil; die Glieder des Gebälks sind sehrhoch und die Details haben noch etwas Der-bes, der Fries ist noch klein und die Me-topon kleiner als die Triglyphen. Demuii-geachtet ist schon hier eine bewunderns-wertho Einheit von Kraft, Würde und Schön-heit erreicht.
In der folgenden Periode (z. B. bei denTempeln F und G in Selinus) sind die alter-thümlielien Typen noch vorwiegend beibe-halten , aber die Formen gewinnen an Ele-ganz. Die Kolossalmasse des Tempels G in.Selinus, des I-Ierakles- und des Heretempelsbei Girgenti sowie des Athenetempcls inSyrakus riefen neue Formen hervor; die Säu-len werden stämmiger, rücken in noch ge-schlossenerer Kraft näher zusammen undverjüngen sich weniger; der Hals verliertseine unorganische Einschnürung, der Echi-nus steigt steiler an und ladet weniger aus,die Triglyphen werden, ungeachtet das Ge-bälk noch schwer lastet, sehr schlank; dieHallenbreite bleibt noch dieselbe, aber zurErweiterung des Tempolhauses öffnen sichPronaos und Posticum in einer Säulenstel-lung in antis und die Säulenzahl der Frontmehrt sich (der Tempel G zu Selinus nimmtacht Säulen in der Front auf und der Zeus-iempel zu Akragas sieben; hier wird das'rempelhaus nur noch von gigantischen Ifalb-säulen in Mauern eingesclilosscn, und dasLicht dringt neben deekenstützenden Tcla-monen ein).
Um die Zeit der Perserkriege und desgrossen Siegs über die Karthager entwickeltesich die hellenische Kunst auch inSicilien zurhöchsten Blüte und zur unmittelbaren Vor-stufe der klassischen Werke Athens. Diestämmigen Säulen erhalten ihr natürlichesWachsthum, die Gebälkliöhc zieht sich aufihr normales, harmonisches Mass ein, die Or-namente werden zum organischen Schmuck.Der schönste aller sicilisehen Tempel, deri-ogen. Concordiatcmpel zu Akragas, stammtaus dieser Zeit. Ihm kommen an Schönheitder Verhältnisse und Formen nahe der Tem-pel E in Selinus und der Tempel zu Egesta.
Zur Vergleichung der Dimensionensämmtliclier griechischen Tempel Siciliensist nebenseitig eine Tabelle beigefügt, welchedie Vermessungen nach Hittorf zusammen-stellt und auch die Masse seiner Rcstaura-t ionen aufnahm; letztere sind mit einemStern (*) bezeichnet.
Von den Tempeln von Selinunt sindeinige Metopen mit Skulpturen aufgefunden,welche für die Einsicht in die Entwieke-lungsgesehichte der griechischen Kunst vonhöchster Bedeutung sind, weil sie aus dreiverschiedenen Epochen herstuumien und eine
Anschauung von der Ausbildung des alt-dorischen Reliefstils geben, wie sie bis aufihre Entdeckung kein anderes Monumentdarbot. Sie sind in älterer technischer Weisein die Kalktuffblöcke hineingearbeitet, beiTempel F aus zwei Stücken zusammenge-setzt; bei Tempel E wurden Gesicht, Arme,Füsse und alle unverhüllten Partien derweiblichen Gestalten aus parischem Marmorbesonders gearbeitet und mittels Bronze-stifte in Bleivcrguss am Kalkstein befestigt;Bemalung glich den Gegensatz der beidenSteinmassen aus, denn der Tuff erhielt, wiebei den Arehitekturtheilen, einen freienStucküberzug und Farbonau.sstattung. DieReliefs sind jetzt im Museo nazionale zuPalermo (S. 220) und dort ausführlich be-sprochen. — Die ältesten Stäche geben zu-nächst den Eindruck einer auf der Grenzedes Erträglichen liegenden Unvollkommen-heit (Remulorf), welche zunächst mit grie-chischer Kunst nichts gemein zu habenscheint. Bei so geringer Entwickelung allerAusdrucksmittel überrascht es dennoch, dassimmerhin Klarheit der dargestelltcn Situa-tionen erreicht ist und die Massen fast aus-nahmlos geschickt im gegebenen Raum ver-theilt sind, doch ist die Komposition we-sentlich durch die. umgebende Architekturbestimmt. — In den Reliefs der zweiten Epochewird das architektonische Prineip insofernaufgehoben, als die Gestalten in heftigerBewegung den ganzen Raum der Metopoausfiillcn, rundlich horvorgearbeite.t sindund anspruchsvoll sogar theihveise über denerweitertem Metopenraum hinausgreifen; zurErhöhung der plastischen Wirkung wird jedeMetope nur mit zwei Figuren geschmückt.Doch ist auf allen Punkten die Beobachtungaufmerksamer eingegangen, hat eine grössereRichtigkeit, eine breitere Fülle von Details,mit feineren Unterscheidungen; in den vol-len , überschüssig kräftigen Formen, denschlanken, natürlicheren Verhältnissen, derbefreiten Regung der Gliedmassen (Benn-dorf) offenbart sich ein grosser Fortschritt,und die Bekleidung, in übersichtlichen Mas-sen angeordnet, dient willig dem Ausdruckder Gestalt. Die Darstellung ist jedoch »nichtsowohl auf Harmonie als auf unmittelbaresErfassen charakteristischer Züge gerichtet,sie sucht die Lebendigkeit im Transitori-schen und wählt den Ausdruck im aus-schliesslichen Interesse der Deutlichkeit«;die Ausführung ist zudem eine sehr un-gleiche. — Die Reliefs der dritten Epoche (deslleraklestempels) bilden einen wohltliuen-den »Gegensatz gegen alles Vorangehendenicht bloss durch die augenfälligere Herrschaftüber Stoff und Form und den grossem Reich-thum der Erfindung, der sie auszeichnct,sondern durch einen milden Geist des Massesund der Harmonie, der in ihren Darstellun-gen waltet; die Figuren sind in bescheide-nerem, strengerem Relief und durchaus in-nerhalb des gegebenen Rahmens zu vollerGeltung gebracht; sie sind in ihren Bezie-hungen zu einander fein durchdacht und inder Ausführung auch der einzelnen Formen