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2. Palermo (Lage und Leben der Stadt).
und da auch in der übrigen Insel. DerVerkauf der Domänen und geistlichenGüter trug wesentlich zur Hebung derBodenkultur bei. Zum Reichthum derbenachbarten Gewässer sind noch dieDampfpumpen »II bindolo Gatteau«und »Bindolo Pfeiffer« für das paler-mitanisehe Gebiet hinzugekommen, unddie »Goldmusehcl« ist in ihrem Werthnoch gestiegen. Die Küehengewächse,durch die leichte Versendung auf denKontinent sehr gewinnbringend, werdenweit mehr angepflanzt, die Agrumendehnen sich überall hin aus, und die Oran-gen und Limonen Palermo’s gehören zuden besten Sieiliens. Dafür weichen dieOliven und der Sumacli dieser vorteil-haftem Kultur und ziehen mehr ins Innereder Insel. Getreidebau sieht man nichtmehr um Palermo, er zieht jetzt im Innernauf Stellen, die früher nur der Weidedienten. Die dürren Gehänge des Caputoüber Mezzomonrealc und Boccadifaleo,und die Böschungen des Gallo und Bello-hunpo über den Colli erfreuen gegen-wärtig schon durch neue Vegetation, Su-macli und die indische Feige.
Unter denGewerben sind die grosseGiesserei »Oretea«, die schönen Intarsia-turarbeiten, die Messingbett-Fabrikation(Speeialität von Palermo), die Verfer-tigung vorzüglicher Schuhe und Hand-schuhe besonders hervorzulieben. DieGasbeleuchtung erhielt Palermo erst 18G1,jetzt brennen 2897 Gasflammen.
Der Untericht hat sieh wesentlichverbessert.
1859 gab es in allen Öffentlichen undprivaten Schulen zusammen nur 5800 Schil-ler mit 492 Lehrenden, während die Uni- ;versität 1156 Studenten zählte, 80 Journaleerschienen, 43 Druckereien arbeiteten, 16öffentliche Bibliotheken und 11 Buchhand-lungen bestanden. 1875 hat die Gemeinde199 Elementarschulen offen gehalten (in derStadt 51 Tagesschulen für Knaben, 34 Abend-schulen, 42 Mädchenschulen), dazu kommteine Normalschule für Mädchen in 3 Klas-sen, eine Fortbildungsschule für Mädchenin 3 Klassen, eine technische Kommunal-schule in 3 Klassen, oino technische Abend-schule für Handwerker; die Elementarschu-len zählten 9890 eingeschriebene Schüler (dieMuuieipalauslagen dafür betrugen 324,000Fr.); so kam es, dass während 1861 von 100Einwohnern nur 26 (16 männliche und 10
weibliche) Unterricht erhielten, die Zahlschon 10 Jahre später auf 37 stieg (22 männ-liche, 15 weibliche). Für den hohem Un-terricht ist reich gesorgt, die Gymnasienund die technische Schule sind sehr zahl-reich besucht, dagegen zählt die Universitätbei den jetzigen veränderten Verhältnissender gelehrten Schulen nur 340 loskribirteund gegen 300 freie Zuhörer.
Im Charakter des Palcrmitanersbemerkt man ein eigenthümliches Ge-misch von Stolz und Liebenswürdigkeit,Misstrauen und Freundlichkeit, Aufbrau-seu und Versöhnung, Leidenschaft undBesonnenheit, Wortkargheit und treffen-der Rede, Egoismus und Begeisterungfürs Vaterland. — Das Volk hat zmnTheilnoch etwas Kindliches, namentlich in derAufregung; man sieht die Beleidigten oftin die unglaublichste Zorneswuth (bis zumlieiseru Wuthgcschrei) gerathen und aufsrascheste wieder zu grösster Freundlich-keit zurückkehren, wenn der Gegner ge-lassen bleibt. Selbst bei Frauen, diosieb in den ausgesuchtesten, liebenswür-digsten Wendungen der Konversations-sprache bewegen, kommt dieser plötz-liche Uebergang nicht selten vor. SchöneFrauen gibt es weit weniger, als schöneMänner; sie haben meist scharfausge-prägte Gcsichtsziigc, rabenschwarzeHaare, brennende Augen, eine ins Grau-bräunliche spiclendeGesiehtsfarbe; durch-weg einen natürlichen Anstand, der auchdem niedersten Laudmädchcn eigen ist.Eine gewisse Zierlichkeit, Anmuth undWeichheit der Bewegung ist allen eigenund bei allen findet man neben den Wahr-zeichen lebendigster Intelligenz einenebenso überqucllenden Aberglauben, ne-ben der kindlichsten GutmUthigkeit undheitern Fröhlichkeit Züge der Schwär-merei. Es ist eine psychologische Lust,in ihren Zügen und Bewegungen dasganze Seelenleben vorliegcn zu sehen.Form und Farbe der schönen Frau sindvom höchsten Zauber. Das Strassenlebcnist ziemlich dasselbe wie in Neapel, derAcquajolo (Verkäufer von Wasser mitZugabe vonLimonensaft u.a.) hat an denStrassenecken seine bunt geschmückteBude, die Fischhändler sind ebenso schrei-selig, die Fruttieri und Gemüsehändlersind gleiche Künstler in der Anordnung