Band 
Zweiter Band: Sicilien.
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2. Palermo (Umgebung:: Dom von Monreale).

der Sitz des zweiten ErzbisthiimsSieilicns 1ist (am Domplatz, Eeke der Via Carru-bella, Nr. 1: Cafe Pietro Kovelli, mitliistoratore). Auf dem obersten Plateauder Stadt erhebt sieh der weltberühmte**Dom TOll Monreale ? der voll-endetste und besterhaltene altnormanni-sche Kirchenbau in Sicilicn und das glän-zendste und schönste Monument diesesden arabischen Vorbildern theilweise :noch nahestehenden, doch eigenthümlich 1modifieirten Stils. Er wurde 1170 be-gonnen; das Hauptportal und die Bronze-thür des nördlichen Seitenportals sindmit dem Bau nahezu gleichzeitig. DenGlanzpunkt bilden die den Innenb.au inUeberfülle bekleidenden Mosaikgemäldeauf Goldgrund aus dersel ben Zeit; sämmt-liche Pfeiler und Bögen sind nur durchMosaiken gegliedert, deren Farben zudem leuchtenden Grund in wunderbar-ster Harmonie stimmen; eine harmo-nische , einheitliche Anordnung erhöhtihre bezaubernde Wirkung. Ueber denauf schlanken Granitsäulen sich erheben-den hohen Spitzbögen schmücken bibli-sche Darstellungen die hohen Felder, undüber dem sie krönenden Fries durchbre-chen Spitzbogenfenster die Wände. Einoffener Dachstuhl bedeckt, zu den Spitz-bögen trefflich stimmend, den majestä-tischen Bau, der durch feierlichen Ernstaufs tiefste ergreift und aufs lebendigstein die Zeiten des mittelalterlichen Glau-benseifers versetzt.

Geschichte des Doms. Schon Ende des0. Jahrh. stand liier in dem Gut Luc.usiano,das der Mutter des Papstes Gregor d. Gr. ge-hörte, ein Kloster, Roger, König der Nor-mannen, ersah sich die (legend als einenfesten Sitz für einen königlichen Palast undHess den Südrücken des Hügels fast 1 Miglielang abschroffen (ein Werk, das die Zeitge-nossen als eins der bedeutendsten ltogersverzeichnen). Dem Palast wurden Piscinenund prächtige Gärten beigegeben. Durchmannigfache Erschwerung des Zugangs undBefestigungen erwuchs das Jagdschloss zueiner Festung, und Wilhelm I. benutzte die-selbe zum Schatzhaus der Insel. Sein Sohn,Wilhelm II., baute den Dom »zu EhrenGottes und Erlösung der Seele seines Vaters«.Das goldene Diplom von 1176 berichtet, dassder Bau im Jahr 1172 (sub principio nostriregiminis), dem Mündigkeitsjahr Wilhelms,begonnen. Das Schloss wurde wieder zumKloster umgewandelt und den Benediktinern

Unter-Italien. II.

von Cava übergehen. Vom frühem Kir-chenbau blieben die hinteren Umfassungs-mauern stehen. Der Bau erhielt Heizdeckenund die Wände Mosaikgemälde, den Cyklusder christlichen Heilsthatsachen darstellend.Auch die Bronzethiiren gehören dieser Bau-zeit an: die Nordthür ist von 1179, die West-thür von 1186. — Wilhelm II. liess auch denherrlichen Kreuzgang des Klosters mit 210Säulen schmücken, deren Kapitäle vonein-ander gänzlich verschieden sind; auf einemderselben ist der Stifter selbst dargestellt,die Kirche der Madonna für Christus dar-bietend, mit der Inschrift: »König, der Dualles regierst*, empfange das vom sicilisclienKönig Dir dargebrachte«. 1182 wurde derTempel zur Metropolis des Erzbischofs er-hoben, und der König Wilhelm steuerteKirche und Kloster mit reichem Patrimo-nium und Privilegien aus. Wilhelm I. und TI.erhielten ihre Grabstätte in der Kirche.Nach dem Tod des letztem wurde andem Aussenbau nicht weiter gearbeitet.1267 weihte Rudolf, Bischof von Albano,den Dom feierlich ein; noch sieht man anden Innenwänden die Kreuze, welche dieheilige Ceremonie bezeugen. 1270 wurdeder in Tunis gestorbene König von Frank-reich, Ludwig IX., in Monreale beigesetzt,doch liess ihn später sein Sohn nach St.Denis überführen, schenkte aber der Kirche(jetzt im linken Flügel des Presbyteriums)die Eingeweide. — Durch die Neuerungender Erzbischöfe verlor der Dom seine ur-sprüngliche liturgische Einrichtung. — Kar-dinal Alessandro Farnese liess das prächtige,Marmorpaviment der drei Schiffe legen und1569 den Nordporticus anfügen. Die Möncheerrichteten 1569 die S. Benedikts-Kapelle.Torres II. liess die Seitenthür des rechtenNebenschiffs durchbrechen, verpflanzte denBischofstuhl aus der Mitte der Apsis an dieEpistelseite und baute die Kapelle für dieReliquien von S. Castrense. — Los Came-ros nahm die Presbyterialbrüstung und denAmbon (am Ende des rechten Mittelschiffs)weg, stellte die Orgel (ursprünglich überdem Ambon) unter die grossen Bögen desPresbyteriums und den Taufstein (früherunter dem Ambon) unter den dritten Bogendes Mittelschiffs; das Mosaikbild des Täuferskam an die Wand des rechten Seitenschiffs.1690 wurde mit ungeheuren Kosten die ba-rocke Kapelle del Crocefisso errichtet. — ImNovember 1811 brach in der Sakristei einBrand aus, welcher den Chor, die Orgelnund die Decken der Westseite zerstörte unddie Sarge Wilhelms I. und II. zertrümmerte.Eine rasche und tüchtige Restauration (vomKönig Ludwig I. von Bayern grossavtig un-terstützt) folgte nach; auch die schon früheran vielen Stellen aufgefrischten Mosaikenerhielten eine gründliche Ausbesserung, undan den Seitenschiffwänden wurden ähnlicheMarmorplatten und Mosaikbänder wie inder Kreuzung angebracht, alles nach denalten Vorbildern; die Fenster wurden er-neuert, 1853 der gegenwärtige Chor und diejetzige Orgel errichtet.

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