Band 
Zweiter Band: Sicilien.
Seite
279-280
JPEG-Download
 

279

280

2 . Palermo (Umgebunpr: Baglieria).

Jenseit Palermo sieht inan von derBahn 1. den Ponte del Ammiraglio (S.275), dann S. Giovanni dei Leprosi (S.275), r. Mare Dolce (S. 276), die GrottaS. Ciao (S. 277), S. Maria Gesu (S. 277),die Kirche von Braccioli; 1. den schönenGolf; r. und 1. einen Wald von Orangenund Citronen bis zum Meer und zu denbegrenzenden Bergen, r. gegenüber denMonte Gritfone undFalcone. (8 Kil.)Stat.Ficarazzelli, rings umgeben von Agru-men, Obst - und Weingärten. — (10 Kil.)Stat. Fiearazzi, inmitten des fruchtbar-sten Striches, welcher Palermo mit Wein,Früchten und Gemüsen aufs reichlichsteversieht. Selbst das Zuckerrohr gedeihthier; r. erhebt sich der Hügel Cannita,wo uralte Wohnungen waren und beiwelchem die phönildschen Särge des Mu-seums (S. 224) gefunden wurden;

(13 Kil.) Stat. Bagheria, Stadt inder Ebene (11,651 Einw.), welche denisolirt über dem Meer sich erhebendenMonte Cataffano mit dem Festland ver-bindet. Die anmuthige, reizende Gegendzwischen Felsen und Meer ist mit Wein-bergen, Olivenhainen, Gärten und Villendes palermitanischen Adels übersäet.

Der Name Bagheria, aus dem Arabischenstammend und »Seegegend« bedeutend, weistschon auf das herrliche Panorama dieser Vil-len hin, die ihren Hauptglanz zur Zeit derschwelgerischen Königin Karolina zu Anfangdieses Jahrhunderts entfalteten und jetzttheilweise verödet sind. Doch hat das Land-leben der Palermitaner in Bagheria in neue-ster Zeit wieder sehr zugenommen, und einigeVillen sind wieder glanzvoll ausgerüstet.

Von der Station geht man zunächstr. und dann 1. die lange Strasse zwischenzweistöckigen kleinen Häusern hinan;im Anfang r. (Nr. 309) Villa des MarcheseInguaggiato. Weiter oben kommt man 1.zu einer dreibogigen Eingangshalle, hin-ter welcher eine Cypressenallee sich 1.hinanzieht; diese führt zu der durchGoethe’s Beschreibung berühmten

Villa del Principe PalagoniaGrarina.

Es folgt ein Thor von gelbem Travertin,»die grosse Halle«, von vier ungeheurenKiesen mit »modernen, zugeknöpften Ka-maschen« bewacht; dann zieht ein breiterWeg dem Schloss zu r., mit langer Brü-stungsmauer, die von je zwölf Postamentenunterbrochen ist, auf welchen Reliefs von

Ileroenköpfcn angebracht sind und früherGruppen standen. L. und r. schliessen sichbebaute Felder an, I. ein Citronengarteu,r. Feigen, Cypressen, Akazien, Opuntien.Zn hinterst, hinter Gitter- und Zinnenum-friedigung, erscheint die Villa über die ein-stöckigen Nebengebäude aufragend. Vordem Gittereingang ein grosser Halbkreis mitBrunnen; r. und 1. zwei Kobolde in Zwerg-gestalt, auf hohem Postament hockend, 1.mit Bart und sechs Augen, r. mit drei Brü-sten und zwei Thierköpfen zur Seite einesweiblichen Hauptes.

Die Vil la ist noch von einer zahlreichenMasse jener von Goethe plastisch darge-stellten Skulpturen umgeben, auf dem linkenBrunnen sieben Statuen, auf den Dach-reihen des einstöckigen linken Flügelge-bäudes 61 Statuen aus Muschelkalk, autdem rechten Flügelgebäude ebenfalls einegrosse Anzahl, lauter seltsame, zusammge-wiirfelte Gruppen, nach Goethe’s Verzeichnis:Menschen: Bettler, Bettlerinnen, Spanier,Spanierinnen, Mohren, Türken, Buckelige,Verwachsene, Zwerge, Musikanten, Pulci-nelle, antik kostümirte Soldaten, Götter,Göttinnen, altfranzösisch Gekleidete, Sol-daten mit Patrontaschen und Kamasclien,Mythologie mit fratzenhaften Zutliatcn. —Tkiere: Pferd mit Menschenhänden, Pferde-kopf auf Menschenkörper, entstellte Affen,viele Drachen und Schlangen, alle Artenvon Pfoten an Figuren aller Art, Verdop-pelungen, Verwechselungen der Köpfe. —Vasen: Monstren und Schnörkel, die unter-wärts in Vasenbäuchen und Untersätzen en-digen. »Denke man sich nun dergleichenFiguren schockweise verfertigt, und ganzohne Sinn und Verstand entsprungen, auchohne Wahl und Absicht zusammengestellt,so wird man das unangenehme Gefühl mit-empfinden, das einen jeden überfallen muss,wenn er durch diese Spiessrutlicn des Wahn-sinns durchgejagt wird.« Giovanni Melischrieb folgende Hcilianische Verse auf dieseVilla:

Giovi guardava da la sua regia innnensaLa bella villa di la Bagaria;

Unni l’arti impetrisci, eterna e addensaL’abborti di bizzarra fantasia;

Viju, dissi, la mia insufficienza,

Mostri n’escogitai quantu putia;

Ma duvi terminau la mia putenza,

Dola stissu incuminciau Palaguuia.

Zeus erblickte vom erhabenen ThroneDie schöne Villa in der Bagaria,

Wo sich statt wahrer Kunst die AuslassungenBizarrer Phantasie gehäuft vorfinden,

Und sprach: ich anerkenne meine Ohnmacht,Ich konnte Monstren wohl erfinden, aberWo meine Macht zu Ende, an dem PunkteEntfaltet sich die Macht Palagonla.

Auf dem Rund vor der Villa noch 22Büsten; im Vestibül 14 farbige Büsten; obennoch einige Zimmer mit der alten Marmor-pracht.

Ist man durch die ganze Villa liin-durchgeschritten, so hat man jenseit der