307 4. Von Palermo nach iVapaui und auf den Monte S. Giuliano. 308
und den langen, schönen Formen der Aeqa-discheu Zatteln (Ziegeninseln), v. Levanzo(Phorbauzia, Bueinna), ein ringsum steil(2!K) m.) und felsig aus dem Meer steigenderKalkberg von 1 St. Länge, mit guten Vieh-weiden und kleiner Bevölkerung, 1. Z'avig-n tna (Aigusa), wo Odysseus gelandet undwilde Ziegen gejagt haben soll, ld/a St.lang und ft St. im Umfang, mit einer Stadtim mittlern schmälsten. Inseltheil /.wischenden Buchten Calagrande im N. und Oala-muui im S.; auf dein Gipfel der die flacheInsel quer durchziehenden zackigen Kalk-kette (326 m.) ein Telegraph; 3 St. westl. vonPacUjnana die Insel Marillmo (Iliera), ausSandstein mul Lavagnaschiefer, von Puntadella Troja bis Capo Mazzaro 1 St. lang,mit Felsenkastell auf der Nordostspitze überder Uala Manione und Telegraph auf demMonte Falcone (684 m.). Südl. längs derlangen grünen Küste der Insel Pantaleo, wodie feste karthagische Stadt Motye stand,dann nach Kap Büo mit Marsala (Lilybaion,'im Hintergrund. Im O. die Bergkämmeüber Alcamo, Oalatalinii und Salemi; nachNO. ein breites, wohlbebautes Thal, von dun-keln Höhen umzogen, die an dem kegel-förmigen rüthliclien Promontorium (Jofanoausmünden, lind weit ins Meer hinaus dasniedrige Vorgebirge S. Vito. ,
lin obern Hof des Kastells ist der inden Felsen gehauene Pozzo di Venerevon antiker Konstruktion, wahrscheinlicheine Cisterne oder eine Kornkammer fürden berühmten Tempel, 3 l /2 m. breit,
7 m. tief, von schöner Konstruktion, mitGement bekleidet. (Aus diesem Hof ge-langt man auf ein kleines Bastion amRand des Abhangs, mit herrlichem Blickauf die ostwärts gegen Palermo ziehen-den Hohen.) — Unter dem Kastell an derNordseite, unweit eines mittelalterlichenBogens, Arco di Uedalo oder di Diavolo,ist ein ceinentloses Stück regelmässigerantiker Mauerung, wahrscheinlich vonden Substruktionen des Tempels. Der
berühmte Tempel der Aphrodite
(Eryeinischen Venus), hier auf demGipfel des inselförmigen Bergs Eryx,einer der reichsten und berühmtestenTempel des Alterthums, ist leider bis aufjene zwei Reste völlig verschwunden.Der Berg war fiir den Grund eines Aphro-ditetempels wie geschaffen und hattedurch seinen atmosphärischen Wechsel,bald in heller Luft glänzend, bald vondüsteren Wolken umgeben, schön im ro-sigen »Strahl der Morgensonne wie imbleichen Schimmer des Mondes, ganz den
Charakter einer von der Gottheit selbstgeweihten Stätte (Holm). Ursprünglichder phönikisehen Gottheit der sinnlichenLiebe geweiht, war der Tempel reich mitTempeldieneriimen(IIierodulen)versehen,die infolge von Gelübden der Gottheit ge-schenkt wurden und mit ihrem Leib dieTempelsehätze mehrten; auch zahlreicheheilige Tauben wurden liier genährt, die,jährlich acht Tage in Afrika abwesend,unter der Anführung Aphrodite’s selbst(in Gestalt einer rothen Taube) zurück-kehrten; noch jetzt ist der Gipfel desBergs von Tauben umflattert, die selbstdem Bann der Priester widerstanden.
Herakles (der phönikische Melkartli)kommt auf seinen Reisen zu Eryx, demRiesen des Bergs mit dem Heiligtum, ringtmit Eryx um ein dahin verlaufenes Stückder Herde, bezwingt und tödtet ihn. Er ziehtdann riugs um die Hisel (die phöuikischeuAnsiedelungen). —■ Diodor (IV, 83) erzählt:Eryx war ein Sohn der Aphrodite mul einessicilisclien Königs, Butas; er erhielt die Herr-schaft über einen Tlieil der Insel; auf einerHohe erbaute er eine bedeutende Stadt, dieseinen Namen führt, und auf dem höchstenPunkte der Stadt errichtete er seiner Muttereinen Tempel und stattete ihn mit heiligenGeräten und zahlreichen Weihgeschenkenaus. Die Göttin hatte eine Vorliebe fürdiese Stadt wegen des frommen Sinns derEinwohner; der Tempel hat seinen Ruhmnie verloren, vielmehr stieg sein Glanzimmer höher. Nach der Anordnung desGottesdienstes durch Eryx versah Aeneas,auch ein Sohn der Aphrodite (und als Stamm-vater Roms in besondere Beziehung zu denStätten gebracht, wo Venustempel sich ander Küste befanden), den Tempel seinerMutter mit vielen Geschenken. — Aelian(II. A., X, ftO) berichtet: im Tempel seiGold und Silber in Fülle gewesen, Hals-bänder und kostbare Ringe, und die Be-wohner achteten die Göttin und ihr Eigen-thum mit bewundernswerter Ehrfurcht;kein blutiges Opfer durfte dem I-Iauptaltarnahen, dieser stand unter freiem Himmelund brannte bei zahlreichen Opfern bis indie Nacht; erglänzte aber das Morgenrüth,so zeigte er weder Kohle noch Asche, son-dern reichlichen Thau und frisches Gras,das über Nacht aufvvuclis; die Opfertierejeder Herde kommen aus freiem Antriebund steilen sich an den Altar, und der Hirtiibertheuert nicht, denn die Göttin hatselbst ein Auge auf den Handel. — Pausanias(8, 21) nennt den Tempel einen uralten,hochheiligen, der an Reichthum dem inPaplios nichts nachgebe. Aber im erstenPunisclien Krieg wurde dieser berühmteBau, weil er einen festen und leicht zuverteidigenden Posten bildete, nach dergründlichen Eersturuug der Stadt Eryx durch-