Band 
Zweiter Band: Sicilien.
Seite
769-770
JPEG-Download
 

769

770

20. Yon Syrakus über Noto und Modica nach Ispica.

Augusta, der Busen von Mcgara, die syra-kusanischen Küsten bis Pacliynos; auch aufden Südrand der Insel und das AfrikanischeHeer bis Terranova; von Bergen im NO. SanVenera, im W. die Serra di Pedagaggi, dahin-ter Pilato, dann Serra di Guffari, dahinterMonte Lauro und oben auf diesen Bergendie Städte Buscemi, Cassaro Ferla, Buccheri;im NW. die Höhen Serra di Casale, dahin-ter Girratana; westwärts die Serra di Cliiara-monte, Ragusa und Modica.

Im S. von Akrai, am Monte Pineta, siehtman zahlreiche (es sind 84) D dieri (S. 422);ebenda, bei San Giovanni, sind auf demvlcrocoro della Torre eigenthümliche Gräber,in den Felsboden eingehauene, mit Stein-decken verschlossene Behälter; die einen,von 0. nach W. gerichteten, mit Frauen-leichen, wie die Knochen, kupferne Haar-nadeln und Armbänder darlegten, die an-deren, von N. nach S., mit Männerskelettenund Schalen; die Gräber messen zumeistzwischen 1,80—1,50 m.; die trefflich erhalte-nen Skelette zeigten fast mandelförmige, anden Schläfen sehr eingedrückte Köpfe, dieZähne weit herausstehend (also nicht helle-nisch) ; in den kleineren Gräbern fand manganz kleine Fläsclilein und bleischwarzeMiniaturvasen. Baron Judica hatte hierschon 228 Vasen gefunden, mehrere hundertSchalen, Fläschchen, Armringe, Haarnadeln,panische Inschriften und einige Freskoma-lereien. Diese eigentliümlichen, der vorgrie-chischen Periode angehörenden Steindeckel-gräber werden den Phönikern zugeschrieben.

Unweit von denselben, direkt gegenüberder Torre della Pineta, erhebt sich im 0.die Contrada del Santicello. Am Saum dieserkleinen Anhöhe sind in den Felsen einigeeigenthümliche uralte *lteliefs skulpirt, vomVolk i Santoni genannt. Sie sind südwärtsgewendet und folgen sich an der Basis desHügels in einer 2 m. hohen, von W. nach0. sich neigenden Felswand, jedes für sichnischenartig in den Macigno eingehauen.In fast allen diesen Reliefs ragt die Kolos-salfigur einer Frau hervor, stehend odersitzend, bedeckt mit einem langen Gewand,welches bis auf die Fiisse niederfällt, denModius (das Getreidemass) auf dem Haupt.Die Reliefs sind jedoch sehr verdorben; manerkennt, von W. beginnend: 1. SitzendeFrau mit Modius, r. und 1. oben zwei Sta-tuetten. 2. In der rechten Ecke ein Reiterund ein den Arm hebender Mann; dann einHund, eine Frau, ein Mann mit überschla-genen Beinen, eine halb zerstörte Figur; inder linken Ecke noch ein Reiter. 3. SitzendeFrau mit Modius, schönem Gewand und zweiStatuetten auf den Schultern. 4. Dasselbe;die Frau mit reichem Haar und Ohrschmuck,die linke Statuette mit Schild und Lanze,die rechte mit Keule und Schild. 5. Ver-dorbene Figur, unten noch das Gewand er-kennbar, oben kleine Nischen. 6. SitzendeFrau im Doppelgewand mit Schild. 7. Männ-liche Figur mit zwei Knaben und zwei Hun-dßn, daneben eine kleine Nische. 8. ‘WieFfr. 3; die Statuetten bewaffnet, eine kleine

Unter-Italien. II.

Figur sitzt daneben. 9. Dasselbe; 1. unteneine sehr hübsche weibliche Figur mit aus-gestreckten Armen, r. unten eine männlicheGestalt, zu den Füssen der grossen sitzen-den Frau ein Hund. 10. Verdorbene Figur,nur der halbe Oberkörper sichtbar. 11. Einekleine Kapelle. 12. Eine Nische. (Man gibtdiesen Reliefs eine nähere Beziehung aufden Todtenkultus der Gräberstätte und hältdie sitzende Frauengestalt für Kybele oderPersephone.)

Gräbergrotien finden sich in der gan-zen Umgegend des Quellgebiets des Anapos;auf dem Weg von Buccheri nach Palar.zoloam Berg, auf dessen Gipfel Occhera liegt,sind sehr zahlreiche, tlieilweise schwer zu-gängliche (bei Buscemi); dann in der nachFloridia sich hinziehenden Cava von Spin-spinalo, wo man nach einem Brande derWaldung allerlei Waffengeräthe entdeckte;die Einsiedelei von 8. Lucia, 1 St. von Pa-lazzolo, ist in eine Sammelgrotte eingetieft,mit Gängen, Treppen, Kammern. Auch beiPerla und Bortino (in der Cava di Pantalica)sind die Felswände von solchen Grottenganz durchlöchert. Der sicilische Name die-ser Grotten heisst BdUri; die meisten sindsehr klein und haben eine Vorderwand miteiner Oeffnung darin; sie variiren von 0,68 m.Breite, 0,88 m. Tiefe, 0,70 m. Höhe bis 2,10 m.Breite, 1,95 m. Tiefe, l,6o m. Höhe. NachSchubring gehören sie wahrscheinlich der vor-griechischen sikanisch - sikelischen Periode an.

Von Palazzolo führt ein beschwerlicherSaumweg unterhalb (2 St.) Cassaro über (D/4St.) Pantalica (mit der Nckropolis der altenSikelerstadtHerbessos) und über (V 2 St.) Sor-lino (einem hoch gelegenen, sehr primitivenStädtchen) durch eine überaus malerischeSchlucht nach (3 St.) Floridia (S. 766).

Von Syrakus über Noto und Modicains Grottenthal von Ispica.

Post: Auf guter Strasse nach (33 Kil.)Koto, in 4 St.; 5 Fr. 40 C. (Billete an Piazzadel Popolo Nr. 26, Abfahrt Abels. 7 Uhr). —Von Noto Post nach (35 Kil.) Modica (6 Fr.)in 5 St. über Spaccaforno. Zwischen Spacca-forno und Modica führt ein Saumweg r. indas Val d’Ispica. Da in Modica ein ordent-licher Gasthof ist, so timt man am besten,von dort aus ein Pferd zu nehmen (hin undzurück bedarf man bei etwas gründlicherBesichtigung 8—9 St., also einen Tag). Derganze Ausflug nimmt 3 Tage in Anspruch.

Man verlässt Syrakus beim Rondel desPozzo dell 1 Ingegnere und schlägt hier dieStrasse längs des grossen Hafens ein; dies-seit der Brücke prächtiger Rückblick aufdie Insel, Achradina, Epipolae, den Anaposund sein in die Berge hinanziehendes Fluss-tlial sowie r., jenseit des Flusses, auf diezwei Säulen des Olympieion. Dann derMeeresküste folgend durch offene felsigeGegend; hier und da Reste antiker Kon-struktionen und Bäder; nach 17 Kil. überden Fluss Cassilili, den antiken Kakypuris,

25