165
am dritten Tage, da er zu Bette und im Gebete war,wie ein Todter gewesen — so sehr war seine Seele losge-rissen von der Sinnenwelt —; aber da habe er ein großesLicht gesehen, das ihn mit Trost und Freude erfüllte,und zwei Engel haben mit ihm gesprochen. Die Winzerinhabe ihm auch geweissagt, daß er in den Krieg gehen,daß er dahin von Cülly zum einen Thor hinaus und beider Rückkunft zum andern Thor herein kommen werde;er werde in eine entsetzliche Krankheit fallen und fürtodt gehalten werden; er werde entweder in der Welteine große Rolle spielen, oder auf dem Blutgerüste ster-ben 2°°).
Denen, die diefe wunderbaren Erzählungen ausdem Munde Davels vernahmen, ohne den Sinn fürdie heiligen Geheimnisse der Seele zu besitzen, erschiener als ein Schalk oder als ein Verrückter. Nur eineinziger Zeuge mochte sich erinnern, daß seine Mutervon Zeit zu Zeit in eine tiefe, an Wahnwitz gren-zende Schwermut!) gefallen, daß einer von seinen Brü-dern in der Raserei gestorben, der andere halb ver-rückt nach Catalonien gegangen war. Seine Schwe-ster äußerte, sie habe im elterlichen Hause nie vonder unbekannten Winzerin reden hören. Denen,
die ihm vorwarfen, daß er mit solchen Vorgebun-gen nur die Richter zu. täuschen suche, gab er zumBeweis seines göttlichen BerufeS selbst die Fehler desbefolgten Planes an, der ja wider alle Regeln derKriegskunst streite. „Ein Mann wie ich, der den Dienstversteht, muß doch wissen, daß es andrer Maßregeln
300) Simmler, S. 193, 194. Hr. Olivier hat aus dem religiösenCharakter Davels ein gründliches Studium gemacht, S. 35—54.
301) Simmler, S. 198.