Band 
Erster Theil.
Seite
555
JPEG-Download
 

— 555 —

zwungenen geworden zu sein glaubt. Zu herrschenden Re-publiken sind diese Nachwehen um so empfindlicher,als die Zahl derjenigen, deren persönliche Leidenschaftenaufgereizt wurden, größer ist. Der unedlere Theil der-selben fühlt nur den Genuß der Rache, weil er selbstempfindet, daß er nur wenig über demjenigen stehe, dener bezwungen hat."

Die Einwohner von Livenen sanken seit ihrer politi-schen Erniedrigung auch als Menschen auf eine immertiefere Stufe herab. Der Waarenzug bestand fort, aberjeder andere Handel, Gewerbe, Landbau, Künste ver-fielen, und dieses von Gott und Natur so reich gesegneteThal begann mehr und mehr von Armuth, Rohheit, Aber-glaube, dumpfer Stille niedergedrückt zu werden?^)

Uri's Verbündete zogen aus der Schnelligkeit ihrerHülfleistung selbst einigen Vortheil. Die Kriegsverfassungder Einen erhielt wenigstens einstweilen frisches Leben.Zn Nidwalden empfand das Volk selbst neuerdings dieWichtigkeit von Hülfsquellen für die Bestreitung der Staats-ausgaben: so wurden die Auslagen des Statuts von 1694aus fünfzig Zahre bestätigt.^")

Dieses Ereigniß halte noch eine andere Wirkung fürdie Schweiz . Der eidgenössische Sinn uneigennützigerHülfleistung hatte die getrennten Kantone, auf Uri's Mah-nung hin, wieder vereinigt. Zug, Glarus, Gersau , Frei-burg, Solothurn boten ihre Mannschaft an; wenige Tagehätten genügt, um ein Heer von acht tausend Mann zu-sammenzubringen, o"') Zürich, Bern, Wallis stellten Trup-pen auf; aber der rasche Ausgang hielt sie innert der

369) ki'susellli, 8ui?.nors Ital. I, 42.

370) Landtsgemeind-Protocoll, 15. Juni 1755.

371) Monathliche Nachrichten, Juli, 83 -85.