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1 (1716) Helvetiae stoicheiographia, orographia et oreographia, oder, Beschreibung der Elementen, Grenzen und Bergen des Schweitzerlands / [Johann Jacob Scheuchzer]
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126
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merhitz kan einer in dergleichen Grotte ſich trefflich erfriſchen/ es wereaber zu wunſchen/ das dieſe koſtliche Naturgab nicht mißbraucht wur-de/ wie etkwan geſchihet durch die Bacchus⸗Brudere/ welche aber oftdurch diß Mittel wormit ſie ſündigen/ geſtraft werden/ und durch un-vorſichtige entbloͤſſung ihres ſchwitzenden Leibs/ allzugaͤhe einſchuͤttungdes eiskalten Weins/ und darauf folgende einsmahlige ſchlieſung ih-

rer Schweißloͤchlein/ auch hemmung des kreißlauffenden Geblüts/ mit

einem Fieber/ Hauptflüſſen/ oder anderen ſchweren Krankheiten ange-griffen werden. 15 5

Ob durch einwerffung der Steinen in dergleichen Luftloͤcher derolus alſo erzoͤrnet werde/ das daher ſchwere Wetter in der auſſerenLuft von aufſteigenden Dunſten erꝛeget werden/ kan ich nicht gewißſagen. Aus Wagneri Hiſt. Helv. Nat. pag. 38 f. und Biſchoff! bergersAppenzell . Chron. p. 1. iſt zuerſehen das auf den Grund eines al-ten Glaubens durch die Sennen auf Cümmor das Windloch ordentlichverwahret/ und ſelten jemand gezeiget worden/ damit nicht durch unvor-ſichtige einwerffung eines Steins ein ſchweres Wetter entſtehe. Heutzu Tag aber iſt man nicht mehr ſo aberglaubiſch/ wie zu ſeiner Zeit auchwird bemerket werden bey Anlas des Dilatus Sees. Man wirftohngeſcheuht Stein/ Hotz. und anders hinein/ ohne Gefahr und Forcht.Es iſt zuwiſſen/ das guf denen Alpen einsmahls ein Wetter von an-deren Urſachen entſtehen kan. Ich verzeihe dem gemeinen andmannoder Aelpler die fallaciam non cauſe ut cauſæ eher/ als denen ſoge-nanten Gelehrten/ welche ſich etwan einbilden/ die innerſten Winkelder Natur durchſpüret zu haben/ und aber an dieſe Klippe des Selbs-Betrugs gar oft anputſchen. Sch wil nicht laugnen/ das von einem einge-worffenen Stein konnen einiche Dunſte in den inneren Holen in mehrereBewegung gebracht werden/ und zum Loch ausfliegen: ob aber ſelbigegenugſam 191(ein ungeſtuͤmmes Wetter zu erꝛegen/ daran zweiffe.Gleichwol gedenket einer ſolchen Kruft auch Plinius Hilt. Nat. L. II. c.4. ſine fine, ſagt er/ jam ventos generant jam quidam ſpecus, qua-lis in Dalmatiæ ora, vaſto in præceps hiatu, in quem dejecto levipondere, quamvis tranquillo die, ſimilis emicat procella.

Es kan villeicht dieſer jeztbemeldte Aberglaub entſtanden ſein daher/weilen in dergleichen Windloͤcheren vor dem Wen gehoͤret wird einmurmlen und brummen/ oder Gerauſch/ welches herkommen kan vonvielfaltiger Anputſchung der durch enge Berghoͤlen in ftarker Bewe-

N a gung