8(215) 888.ein Sommerszeit ganz liebliche Ebene zu einem alten Thurn/ und wei-ters durch wildreiche Alpen eben Wegs in die 12. Stund/ allwo mangaͤh nidſich zu ſteigen anfangt/ da von der an vielen Ohrten in Felſengeſchnittenen Landſtraß das hinunderſehen/ abſonderlich den ungewohn-ten/ in die ungeheuren Abgruͤnde/ ein entſetzliches grauſen beybringt/welches durch das Getoͤß der ungemein hoch herabfallenden Waſſer-fallen nicht wenig vermehret wird/ bis zu anfang des nächſtgelegenenThals Campo dolcino, wo nach einer viertelſtundigen Ebene bis aufEiaͤven es immer Berg abgehet/ zuſamen in die. Stund lang/woraus dieſes Bergs Hoͤhe abzunemmen/ ſo noch nicht alles/ dann vonder Hohe an/ wo geſagter maſſen nach zuruk gelegter. ſtuͤndiger Ebe-ne das nidſichſteigen anhebt/ gegen der ſo genanten Alp E mat zu/
darinnen ein ſchon lauter Jorellenreicher„mit Felſen umgebener Seeanzutreffen/ man noch in die 2. Stund bis auf die hoͤchſten Bergſpi-
zen immer zu ſteigen hat) ſo in allem von Cleven an 7. Stund obſichgehenden Weg ausmachel Bis hieher Herꝛ von Roſenroll. Ander Straß dieſes Bergs ſihet man hin und wieder lange aufgerichteteStangen/ welche Marcellinus nennet ſtilos ligneos, die PündtnerStazas, und darzu dienen/ daß die Reiſende im Winter den Weg fin-den. Zu eben dieſem End findet man oben auf dem Berg Steinhaͤuf-fen / welche wol können vergliechen werden mit jenen laruis viarum
wegen ſcheiden/ aus Befehl der Koͤnigen aufgerichtet, worden/ worvonOlaus Magnus Gent . Sept. Hiſt. L. II. c. J. die⸗ welche nicht wol we-der die Stangen noch Steinhaͤuffen ſehen koͤnnen/ haben ſich zugetroͤ-ſten einer in dem Wirthshauß hängenden Glock welche etliche mahldes Tags angezogen wird/ damit die Reiſende dahin ihre Zuflucht neh-men können. So bald man gegen die mitkägige Seite des Bergs kom-
met/ genieſſet man einer waͤrmeren von Jialien her blaſenden Luft/welche die auf ſolcher Hoͤhe unbeliebige Kalte merklich milteret. Kom-
met man auf der oberen Ebene des Bergs ohngefehr eine Stund wei-
ters/ ſo trift man an ein offenes mit Mauren umgebenes und mit ei-nem Tach bedektes Hauß/ da die Saumxroſſe und dero Fuͤhrer bey har-ber Witterung einkehren konnen. Dieſer Ohrt heiſſet zum Hauß.Wo der Berg anfangt nidſich gehen /iſt ein ſtarker Thurn oder Wacht-hauß/ von welchem man kommet erſtlich gen Madeſen, welches nachGuleri Meynung Rer. p. 194. b. iſt der alten Tarveſedum, deſſen ge-denket Antonigus in Itinerario e andere aber/ als Lſchudius Helv.Ant. Plantin Helv. 347, Simler de Alp. 104. b. verlegen das Tarveſe-dum in das Dorff Splügen. Von Nadelen gehet man erſtlich ae3 aͤnmuthi.