Vorwort.
IX
Vorwort
zur fünften, neubearbeiteten Auflage.
Der verhältnismäßig kurze Zeitraum, der zwischen dem Erscheinender vierten und dieser fünften Auflage meiner Elemente der Geo-logie liegt, hat unsere Wissenschaft mächtig gefordert. An allenZweigen der letzteren reifen die Früchte des Fleißes und des Geistesvieler, zum Teil hervorragender Mitarbeiter.
Das Mikroskop des Petrographen hat nicht nur über das Wesenvieler Gesteine und der sie zusammensetzenden Mineralien, sondernauch Uber ihr Werden und ihre Umbildung neues Licht verbreitet. DieTektonik komplizierter Gebirgssysteme und weiter Landstriche ist jetztklar gelegt. Im Zusammenhänge damit haben unsere AnschauungenUber die Entstehung der Gebirge und mit ihnen der häufigsten Erd-beben neue Gestalt gewonnen. In dem erdperipherischen Druck, aufwelchen sie zurückgeführt worden sind, hat man zugleich eine gesteins-umwandelnde Kraft kennen gelernt. Die Theorien Uber derartige, mitder Gebirgsbildung verknüpfte mechanische Vorgänge haben Physikerauf dem Wege des Experiments geprüft. Mit Hilfe chemischer Analyseglaubt man den metallischen Urquell vieler unserer Erzlagerstätten inihrem Nachbargestein erkannt zu haben. Die Inanspruchnahme derbewegten Atmosphäre als Vermittlerin mächtiger und ausgedehnter Ge-steinsablagerungen hat allgemeine Anerkennung gefunden. Der früherabenteuerlich erscheinende Gedanke einer ehemaligen totalen Vereisunggroßer Teile der nördlichen Halbkugel hat feste Gestalt angenommen,sich in dieser rasch eingebürgert und löst viele der Rätsel, welche bisdahin der Boden der nördlichen Hälfte Deutschlands dem Geologenhot. Die Paläontologie hat durch überraschende Funde nicht nur aufausländischem, sondern auch auf deutschem Boden das Gesetz von dereinheitlichen Entwickelung der Tier- und Pflanzenwelt gekräftigt.Durch die Erforschung der Tiefsee, ihrer Sedimente und ihrer Bewohnerhaben sich neue Gesichtspunkte über den Ursprung weit verbreiteterSchichtenkomplexe, sowie Uber ihre räumlichen und zeitlichen Beziehungen