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Elemente der Geologie / Hermann Credner
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Einleitung.

5) Wie sind die Gesteine zum Aufbau der Erdveste benutzt worden,wie sind sie zum Ganzen verbunden, welches ist die Architektonik derErde ? Diese Fragen behandelt die architektonische Geologie.

6) Welches ist die Entwickelungsgeschichte der Erde lind ihrer Be-wohner? eine Frage, welche die historische Geologie zu beantwortensucht.

§ 3. Hilfswissenschaften der Geologie. Die Aufgaben der Geologiesind, wie aus dem eben Gesagten hervorgeht, so vielseitig, daß sich dieseauf sämtliche übrige Zw eige der Naturwissenschaften stützen muß. Eineihrer wesentlichsten Grundlagen bietet die Mineralogie. Die Einzel-körper, welche das Material zum Aufbau der Erdkruste geliefert haben, sinddie Mineralien, deren Eigenschaften, deren Bildung und Umbildung dieMineralogie lehrt. Bis zur Ermittelung der Mineralien, aus welchen die Ge-steine des festen Erdkörpers zusammengesetzt sind, geht der Geolog beimZergliedern des Erdganzen zurück, ihre Kenntnis aber setzt er voraus.

Die Chemie, die Lehre von den Veränderungen bei der Einwirkungder Materien aufeinander, macht die Deutung der Gesteinsentstehung, dieVerfolgung der Vorgänge beim Werden und bei der Umbildung der Gesteinemöglich und giebl durch die chemische Analyse Mittel zu Gesteinsunter-suchungen an die Hand.

Die Paläontologie, die Wissenschaft von den Faunen und Florender Vorwelt, muß als eine der Hauptgrundlagen des geologischen Studiumsbetrachtet werden. Sie giebt die Möglichkeit, die viele tausend Metermächtige Aufeinanderfolge von Gesteinsschichten in zusammengehörigeKomplexe (Formationen) zu scheiden, sie lehrt, das Alter der einzelnenGesteinsbildungen zu konstatieren, sie liefert Mittel, zwei wenn auch nochso weit voneinander entfernte Schichten hinsichtlich ihres Alters zu ver-gleichen, sie giebt Andeutungen über die physikalische Geographie frühererPerioden und spricht endlich in der unsere Zeit bewegenden Frage über dieEntwickelungsgeschichte der Organismen das entscheidende Wort.

Auch die Physik steht in mannigfaltigster Beziehung zur Geologie.Ist doch die Mineralogie zum großen Teile eine physikalische Wissenschaftund sind doch die Fragen nach dem spezifischen Gewicht der Erde, nachden Temperaturverhältnissen des Erdinneren, nach dem Erdmagnetismusrein physikalischer Natur.

Ebenso innig ist das Verhältnis der Astronomie zur Geologie. Siebelehrt uns über die Stellung unseres Planeten im Weltsystem, sic berechnetdie Dimensionen und die allgemeine Form der Erde und giebt AndeutungenUber die ursprünglichsten Zustände derselben.

Zwischen Geographie endlich und Geologie lassen sich überhauptkeine scharfen Grenzen ziehen. Die Oberflächenbeschaffenheit der Erde isteben der Ausdruck des geologischen Baues derselben und das Endproduktder Summierung der Resultate aller früheren geologischen Vorgänge.

§ 5. Geologische Litteratur. Die wissenschaftliche Entfaltung derGeologie war abhängig von der Entw ickelung der Chemie, Mineralogie und