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Elemente der Geologie / Hermann Credner
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I. Pliysiograpliischc Geologie.

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genauer bestimmbarer Tiefe noch höhere Temperaturgrado herrschen, wiedies aus dem Empordringen heißer Quellen und geschmolzenen Gesteins-materiales hervorgeht. Da nun heiße Quellen sowohl wie flüssige Laven anzahllosen, über die ganze Erdkugel verteilten Punkten hervorbrechen, somuß auf einen in der Erdtiefe überall vorhandenen Wärmequell, einenglühenden Erdkern geschlossen werden, welcher sich allmählich mit einerErstarrungskruste, unserer jetzigen Erdrinde, umgeben hat. Mit dieser Auf-fassung harmonirt der Satz, zu welchem die beiden vorigen Paragraphenführten, daß die Gestalt und das spezifische Gewicht der Erde auf einenursprünglich flüssigen Zustand hinweisen. (Siehe auch Dyuam. Geol. IleißeQuellen; Schluß.)

Was den Aggregatzustand dieses glutigen Erdinneren betritft,so halten die meisten Geologen letzteres für glutflüssig, andere fürvollkommen erstarrt, noch andere für verfestigt durch Druck,aber durch lokale Verminderung desselben (z. B. Spaltcnbildungen in derErdrinde) sich wieder verflüssigend und ausbruchsfähig (Royer), oderfür aus abwechselnden festen und flüssigen Schalen zusammen-gesetzt (Streng), oder für gasförmig (A. Ritter).

§ l. Verteilung von Land und Meer auf der Erdoberfläche. Derglühende Erdkern hat drei Umhüllungen, eine nur lokal verbreitete, dasWasser (Hydrosphäre), und eine allgemeine, die Atmosphäre; zwi-schen der partiellen Wasserbedeckung tritt die Erdkruste (Lithosphäre)als Land zu Tage.* Die Oberfläche unsere!' Erde wird demgemäß von Landund Wasser gebildet, jedoch in einem sehr ungleichen Verhältnisse: dasletztere nimmt fast zwei Dritteile mehr Oberfläche ein als das Land, odergenauer: die Größe des Meeresspiegels verhält sich zu der Oberfläche desFestlandes wie 275 : 100. Eine noch ungleichere ist die Verteilung desLandes innerhalb der einzelnen Zonen, welche die Erde umgürten, indemdie nördliche Halbkugel fast dreimal soviel Festland als die südliche, dienördliche gemäßigte Zone gleich viel Land und Wasser, die heiße ZoneLand und 2 /- i Meer besitzt, und endlich auf die Oberfläche der südlichengemäßigten Zone nicht ganz l j l0 Land kommt.

Ein gewissermaßen neutrales Gebiet zwischen Land und Wasser re-präsentieren die Litoralzonen der Kontinente, die während der Flutzeitvom Meere bedeckt sind, während der Ebbe als Land erscheinen.

§ 5. Allgemeine Gruppirung der Kontinente und Ozeane. Wäh-rend die Kontinente voneinander getrennte, isolierte Massen bilden, nehmendie Ozeane ein zusammenhängendes Becken ein, sind ein einziges, in ver-schiedene, aber kommunizierende Arme gegliedertes Ganzes. Das Landgruppiert sich in zwei größeren Kontineutalkomplexen, der Ostfeste, anwelche sich Australien anschließt, und der West feste um den Nordpol ,um sich in südlicher Richtung immer mehr zu verschmälern und endlich in