Buch 
Elemente der Geologie / Hermann Credner
Entstehung
Seite
68
JPEG-Download
 

68

II. Petrographische Geologie.

krystallines Aggregat der makroskopisch ausgebildeten Bestandteile, alsohauptsächlich von Feldspath und Quarz zerlegen, bei gekreuzten Nikolsheben sich dann die Umrisse der einzelnen Mineralkörner scharf voneinan-der ab (mikrokrystalline Ausbildung), bald sinken diese Elementeder Grundmasse zu so winzigen Dimensionen herab, daß nur mit Hilfestärkerer Vergrößerung ihr krystalliner Aggregatzustand erkannt werdenkann (kryptokrystalline Ausbildung), und polarisiertes Licht nur nochschwache Lichtwirkungen hervorruft. Endlich verhält sich die Substanz derGrundmasse vollkommen wie ein isotroper Körper, welcher einerseits alsMikrofelsit noch eine gewisse Struktur zeigt und aus kleinsten Körnchen,zartesten Schüppchen und Fäden zusammengesetzt erscheint oder anderer-seits vollkommen strukturlos ist und in dieser Form das eigentliche Ge-steinsglas darstellt.

Die Verbreitung und Beteiligung dieser Entwickelungsstadien derSubstanz der Grundmasse ist nun eine derartige, daß öfters die mikro-krystalline Form allein vertreten ist (z. B. in vielen erzgebirgischen Por-phyren, die sich als Apophysen von Granitstöcken erweisen, aber auch invielen echt dyadischen, z. B. den Pyroxen-Quarzporphyren Nordsachsens,manchen Schwarz Wälder und Vogesenporphyren), oder aber daß sich dane-ben zugleich Mikrofelsit und Gesteinsglas in mehr oder minder hervorragen-der Weise beteiligt (Ehrenberg , Drusethal, Inselsberg in Thüringen , Bieber in Hessen , Elfdalener schwedische Porphyre). Tritt das Gesteinsglas sehr inden Vordergrund, so wird ein Übergang zu den Pechsteinporphyren ver-mittelt (siehe unten).

Was die räumliche Anordnung der Grundmassebestandteile betrifft,so kann diese als richtungslos, fluidal oder sphäroidal bezeichnet werden.Die Fluidalstruktur verkörpert die Bewegungserscheinungen, welcheinnerhalb des ehedem glutflüssigen Gesteinskörpers vor sich gingen. Sieist an glas- und mikrofelsitreichen Porphyren gut entwickelt, fehlt aberauch nicht solchen mit vorwiegend mikrokristalliner Entwickelung derGrundmasse (Pyroxen-Quarzporphyre des Leipziger Kreises).

Die lagenförmige Struktur ist nur eine Modifikation der fluidalen, in-dem zarteste Schlieren von mikro- bis kryptokrystalliner Ausbildung nahe-zu parallel zu einander angeordnet sind und die porphyrischen Einspreng-linge flaserig umschließen (Augustusburg in Sachsen , Tabarz in Thüringen ,Weinheim im Odenwalde).

Unter den kugeligen Aggregationsformen sind zunächst hervorzuhebendie echten Sphärolithe, aus homogener, radialstrahliger Substanz be-stehend, zwischen gekreuzten Nikols ein vierarmiges, schwarzes Kreuz lie-fernd, die Felsosphärite, rundliche, verschwommen körnige oder diver-gentstrahlige, büschelförmige oder eisblumenartige Ansammlungen vonvorwiegend kryptokristalliner und mikrofelsitischer Grundmasse, die in