Buch 
Elemente der Geologie / Hermann Credner
Entstehung
Seite
313
JPEG-Download
 

IV. Petrogenetische Geologie.

313

in dem Eruptivmagma emporgeführten überhitzten Wasser (siehe S. 294) indem Nebengesteine hervorgebracht wurden. Diese heißen Wasser undDämpfe drangen in die Poren der benachbarten Gesteine und vermitteltenderen Umkrystallisierung, und verwandelten dadurch nicht nur die Struk-tur, sondern die gesamte mineralische Konstitution derselben. Zu dieserGruppe von Kontakterscheinungen gehört die mit Umwandlung des Kalk-steines in Marmor verknüpfte Ausbildung von sog. Kontaktmineralieninnerhalb des letzteren, und zwar namentlich von kalkhaltigen Silikaten,wie Granat, Yesuvian, Wollastonit, Skapolith, Prehnit, Epidot, Hornblende,Grammatit, daneben von Spinell, Titanit, Flußspath und Glimmer. Zu denbekanntesten derartigen Kontaktbildungen gehören diejenigen von Predazzoin Südtirol , wo durch Einwirkung des eruptiven Syenites der triadischeKalk in feinkörnigen Marmor verwandelt und letzterer stellenweise bis zu3 m Entfernung von Brucit, Vesuvian, Granat, Gehlenit, Spinell, Glimmer,Magneteisen imprägniert ist. Ähnliche Kontaktmineralien finden sich ambenachbarten Monzoni im Kontakte des dortigen Augitsyenites (Monzo-nites) mit dem in Marmor verwandelten Triaskalke. Dieselben besitzen hierdie Neigung zu zonenartiger Anordnung, und halten dann im allgemeinendie Reihenfolge Granat Augit Serpentin Brucit mit Kalkstein(Predazzit) inne.*) Auch der Tonalit des Adamello hat analoge kontakt-metamorphische Einwirkungen auf den benachbarten Muschelkalk aus-geübt.**) Auf Elba , in Galabrien, in den Pyrenäen u. a. 0. tritt eben-falls Granat im Marmor an dessen Kontakt mit Granit auf. In besondersgroßartigem Maßstabe sind derartige und ähnliche Umwandlungserschei-nungen im Kontakte mit den granitischen und syenitischen Eruptivgesteinendes südlichen Norwegens ausgeprägt.***) Am Konerud - Bergesüdwestlich von Kristiania bildet der Granit einen flachen Lagergangim Silur, in welches von dessen unregelmäßig welliger oberer Grenzflächeaus zahlreiche, zum Teil gegen 100 m lange Apophvsen auslaufen. Die silu-rischen Schichten sind durch den Kontakt mit dem Granit vollkommenmetamorphosiert und zwar die Kalke in Marmor, die kalkigen Thonschieferhingegen in buntstreifigen Kalksilikathornfels, oder in ein krystallinisch

*) G. vom Rath. Zeitschr. d.Deutsch , geol. Gesellsch. 1875. S. 372. C. Doel-ter. Jahrb. d.k.k. geol. Reichsanst. Wien1875. Heft 2. S. 238. J. Lemberg. Zeitschr.d. Deutsch , geol. Gesellsch. 1872. S. 187 , und 1877 . S. *87. v. Mo j sisovics. DieDolomitriffe von Südtirol . Wien 1879. S. 367 u. 378. E. Reyer. Predazzo. Jahrb.d. k. k. geol. Reichsanst. 1881. S. 1.

**) R. Lepsius . Das westliche Südtirol. Berlin 1878. S. 67 u. f.

***) G. vom Rath. N. Jahrb. f. Min. 1869. S. 424. A. Penck. N. Magaz. f. Na-turvid. Kristiania 1 879. XXV. Bd. S. 62. Th. Kjerulf. Geologie des südl. u. mittl.Norwegen . Deutsch v. Gurlt. Bonn 1880. S. 73, 174. W. C. Brögger . Die Silur.Etagen 2 u. 3 im Kristianiagebiet etc. Kristiania 1883. S. 324374.