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Elemente der Geologie / Hermann Credner
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IV. Petrogenetische Geologie.

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magnesiums im Meeres wasser durch die von der Zersetzung der Silikat-gesteine herrührenden Karbonate, und zwar namentlich durch kohlensauresNatron stattfand. Lokal mögen auch durch die Reaktion von Gypslösung aufdie Solution kohlensaurer Alkalien Abscheidungen von Kalkkarbonat be-wirkt werden. Einigermaßen klare Anschauungen über die Genesis derKalksteinablagerungen fehlen uns noch.*)

Neues Licht scheinen jedoch die jüngsten Forschungen auf dem Grundeunserer Ozeane auf die Bildungsweise der Kalksteine der versteinerungs-führenden Formationen zu werfen. Wie auf S. 281 erwähnt, wird der Bodenfast aller Ozeane bis zu einer Tiefe von 5300m von Globigerinen-Schlamm bedeckt, der aus 5070 Prozent kohlensaurem Kalk, 2030Prozent Kieselsäure und 2030 Prozent Thonerde besteht. In noch größererMeerestiefe geht dieses wesentlich aus Foraminiferengehäusen zusammen-gesetzte, also deutlich zoogene Sediment unter dem zersetzenden Einflüsseder Kohlensäure des Meereswassers allmählich in einen aus winzigstenFragmentchen jener Foraminiferenschalen bestehenden grauen Kalk-schlamm über, der bei seiner etwaigen Verfestigung zu Kalkstein nursehr wenig wmhlerhaltene Reste seiner Erzeuger aufweisen und die größteÄhnlichkeit mit marinen Kalksteinen früherer Formationen besitzen würde.Man darf deshalb vielleicht annehmen, daß es in früheren geologischenPerioden ganz ähnliche Kalkschlammassen waren, aus welchen durch Um-bildungsprozesse und Verfestigung zahlreiche Kalksteinkomplexe ältererund jüngerer Formationen hervorgegangen sind. Namentlich mag der Kalk-schlamm der Tiefsee nachträglich durch die Einwirkung der Kohlensäureeine durchgreifende Umbildung erfahren haben, indem die zoogenen Aus-scheidungsprodukte in krystallinische Teilchen übergeführt wurden,ähnlich wie dies z. B. an Korallenriffen zu beobachten ist, wo die von denWogen zu Pulver zerriebenen Korallensande sich, offenbar durch Wirkungder Kohlensäure, krystallinisch umbilden. Danach würde die Ausscheidungdes ursprünglichen Materiales der meisten Kalksteine vom Silur bis jetztauf die Vermittelung von Organismen, die jetzige strukturelle Beschaffenheitdieser Gesteine auf spätere Umbildungsvorgänge zurückzuführen sein.

Was die Rogensteine und Oolithe betrifft, so kann über derenEntstehungsweise durch Ausscheidung aus Lösungen ein Zweifel nicht ob-walten, da ihre konzentrisch-schalige und radial-faserige Struktur keineandere Deutung möglich macht, wenn auch der erste Anstoß zum Beginndes lagenweisen Absatzes von einem bereits vorhandenen minerogenenoder zoogenen Körnchen ausgegangen sein mag. In der Bildung des Erbsen-steines von Karlsbad sehen wir einen ganz analogen Prozeß sich vor unserenAugen bethätigen.

*) S. auch C. Dölteru. R. Hörnes. Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanst. Bd.XXV. 3.