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Elemente der Geologie / Hermann Credner
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V. Architektonische Geologie.

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böhmischen Schweiz zugetragen, wo weißer Jura und über ihm der Gra-nit in das Niveau des kretacöischen Quadersandsteines gedrängt wurde,sodaß sie die Ränder dieser Formation (z. B. bei Hohnstein ) überlagern.

Wechsellagern beim Eintritt einer derartigen Aufrichtung bereits festgewordene Gesteinsschichten (Fig. 82 A und C) mit solchen von plastischer,noch biegsamer Beschaffenheit (B), ein Zustand, in welchem sich z. B.als Schlamm abgesetzte Thone lange Zeit erhalten, so entsteht ein Drängenihrer Masse von oben nach unten, die ganze hangende Schichtenreibe wirddas Bestreben erhalten, auf der schiefen Ebene herabzugleiten. Dadurchwerden die tiefsten Partien der noch plastischen Schichten aufgestaut undzusammengepreßt und nehmen infolge davon die auffallendsten Windungenund Faltungen an, trotzdem sie zwischen Bänken von vollkommen paral-leler Lage eingeschlossen sind.

Von gleicher geologischer wie technischer Wichtigkeit ist die Be-stimmung der Lage oder Stellung aufgerichteter Schichten. Dieselbewird möglich durch Festlegung zweier auf der Oberfläche der letzteren ge-zogenen geraden Linien. Zu der einen derselben wählt man die in derSchichtungsfläche gezogene Horizontallinie (Streichlinie, st, Fig. 83), zu der

Fig. 82. Schichtenstauchung.

Fig. 83. st Streichlinie; fa Fallinie.

zweiten die Linie der größten Neigung der Schichtungsfläche gegen denHorizont (Fallinie, fa der vorstehenden Fig. 83); beide stehen rechtwinkeligaufeinander. Unter der mit dem Kompas aufzunehmenden Himmelsrichtungder Streichlinie versteht man das Streichen der Schicht, unter ihremFallen die Neigung derselben gegen eine Horizontale.

Das Streichen einer Schicht wird, wie folgt, genommen: Man denkesich eine in der Schichtungsfläche gezogene Horizontallinie, halte ihr diefestliegende Nord-Südlinie der Kompasplatte parallel und konstatiere, aufwelchem Teilstrich des Gradbogens die Nordspitze der Magnetnadel sicheinstellt. Dann zähle man die Anzahl der Grade von diesem Teilstriche biszum nächsten Endpunkte der festliegenden Nord-Südlinie, bemerke, obman dabei von der Nordspitze der Magnetnadel aus in östlicher oder west-licher Richtung gegangen ist, und drücke endlich das auf diese Weisebeobachtete Streichen aus als: N so und so viel Grad nach W oder O (z. B.