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V. Architektonische Geologie.
die letzteren durchsetzenden Eruptivgesteinen infolge seitlichen gebirgs-bildenden Schubes, — in einzelnen Fallen aber auch durch Verringerungdes ursprünglichen Volumens eines eruptiven Gebirgsgliedes infolge seinerAbkühlung entstanden. Sehr deutlich tritt die letzterwähnte Entstehungs-weise in dem durch Fig. 107 wiedergegebenen Beispiele hervor. In einemTagebau der Haile Mine in Süd-Carolina durchsetzt ein 1,3 m mächtigerGrünsteingang b eine Sehichtenreihe von talkigen Quarzschiefern c, welchevon goldhaltigem Schwefelkies imprägniert sind. Auf jeder Seite diesesGrünsteinganges, also auf seinen Kontaktflächen mit den Talkschiefern, istein 10 bis 15 cm mächtiger Gang von dichtem Brauneisenerz (o) zur Ausbil-dung gelangt. Es ist augenscheinlich, daß die Spalten, in denen letzterevon statten ging, durch Volumenverringerung infolge der Abkühlung des an-
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Fig.107. Gräüge von Braun-eisenstein a, im Kontakteeines Grünsteinganges bu. Schwefelkies führen-der Talkschiefer c. HaileMine in Süd-Carolina .
(H. Crd.)
Grube).
G Granit als Nebengestein. 1. Quarz mit wenig *Flußspath. 2. Quarz mit wenig Kupferkies.
3. Quarz mit viel Kupferkies. 4. Quarz mitwenig Flußspath. 5. Heiner Quarz. 6. Quarzmit wenig Kupferkies.
fänglich glutflüssigen Eruptivgesteins entstanden und später durch die Zer-setzungsprodukte des die Talkschiefer imprägnierenden Schwefelkiesesausgefüllt wurden.
Nicht immer sind die Spaltenräume der Gänge durch einen einzigenZerreißungsakt entstanden, sondern sind ursprünglich schmale Klüfte ge-wesen, die sieh allmählich erweitert haben, ja früher gebildete undgangartig ausgefüllte Spalten haben wiederholte spätere Aufreißun-gen erlitten, — eine ganz natürliche Erscheinung, wenn man berücksich-tigt, daß die Stauchung und Faltung, durch welche solche Gangspalten ent-standen, keine einmalige instantane, sondern eine langandauernde und wie-derholte war, wodurch immer von neuem gegenseitige Verschiebungen derSpaltenflächen bedingt wurden. Waren die Spalten bereits durch Gang-masse verkittet, so erfolgte jedesmal eine Auseinanderreißung des Ganges ,eine allmähliche Ausfüllung der neuen Kluft durch Gangmineralien und soeine fortgesetzte Erweiterung des Gesamtganges. Eine ausgezeichnete Illu-stration dieser Vorgänge liefert das in Fig. 108 wiedergegebene Gangprofilaus dem Zinnerzdistrikt von Cornwall . Der hier abgebildete Quarzgang isteine Kombination von sechs verschiedenalterigen Quarzgängen, die durchWiederaufreißung der alten Spalte jedesmal auf der Kontaktfläche des vor-