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Elemente der Geologie / Hermann Credner
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VI. Historische Geologie .

und Braunschvveig Mergelkalk und plastischer Thon, in Frankreich , Belgien und dem östlichen Nordamerika Glaukonitmergel, im westlichen Californienkrystallinischer Schiefer das vorwaltende Material der Kreideformation, einegrößere Schwankung in dem petrographischen Charakter also kaum denk-bar. Dennoch geben sich alle diese verschiedenen Ablagerungen durch diegemeinsame Führung einzelner identischer und zahlreicher nahe verwandterTier- und Pflanzenformen, so namentlich durch ihren Reichtum an gewissenCephalopodengeschlechtern, wie Scaphites, Crioceras, Ancyloceras, Baculitesund Turrilites, als gleiche Phasen in der Entwickelungsgeschichte der Erde,also als gleiche Formation zu erkennen.

So entscheidend der paläontologische Habitus für die Stellung einesSchichtenkomplexes in der Formationsreihe, für das geologische Alter einerFormation ist, so läßt uns doch dieses Kriterium in gewissen Fällen imStich. So giebt es Schichtenkomplexe und zwar solche von außerordent-licher Mächtigkeit, während deren Ablagerung organisches Leben nochnicht existierte oder, falls bereits bestehend, noch eine sehr unbedeutendeRolle spielte. Jedenfalls sind in diesen ältesten Formationen der Erdkruste Reste, deren Ursprung zweifellos ein organischer wäre, noch nicht bekannt.Auf sie kann das Hauptkriterium für die Altersbestimmung von Sedimentär-gesteinen, ihr paläontologischer Habitus, keine Anwendung finden, jedochsind ihre Lagerungsverhältnisse, ihr Auftreten an der Basis aller For-mationen, im Verein mit ihrem eigentümlichen und sich auffällig gleich-bleibenden petrographischen Charakter Erscheinungen, welche sieauf das untrüglichste kennzeichnen.

Ganz ähnliches ist bei zahlreichen anderen Schichtenkomplexen derFall, welche entweder zur Erhaltung von organischen Resten nicht geeignetwaren, oder deren Bildung unter Verhältnissen vor sich ging, welche orga-nisches Leben lokal ausschlossen. Unter solchen Umständen geben dieLagerungsbeziehungen der fraglichen versteinerungsleeren Schichtenreihezu anderen versteinerungsführenden den Ausschlag bei der Entscheidungüber ihre Zugehörigkeit zu der einen oder der anderen Formation. DieseMethode der Altersbestimmung beruht auf der Thatsache, daß die Auf-einanderfolge der Formationen überall dieselbe ist, daß also äquivalente For-mationen gleiche Stellung in der gesamten Schichtenreihe, also gleichesrelatives Alter besitzen. Tritt z. B. eine mächtige versteinerungsleereSchichtenreihe zwischen der oberen Silurformation und der unteren Stein-kohlenformation auf, so muß sie der Repräsentant der devonischen Formationsein, welche sich an einer anderen Stelle durch ihren Reichtum an gewissenKorallen ~und Brachiopoden, an einer noch anderen durch das ausschließ-liche Auttreten von abenteuerlich gestalteten Fischen kenntlich macht.

§ 7. Gliederung der Entwickelungsgeschichte und der ent-sprechenden Schichtenreihe der Erdkruste in Perioden und Forma-