390
VI. Historische Geologie.
fer, auf der anderen in granitähnliche Gesteine übergehen oder mit solchenwechsellagern. Untergeordnet, aber durch ihre gleichmäßige Wechsel-lagerung mit den Gneißen zur Deutlichkeit der architektonischen Verhält-nisse dieser Formation viel beitragend, treten außerdem zwischen denherrschenden Gneißen die mannigfaltigsten Amphibolite, krystallinischerKalkstein, Dolomit, Quarzit, Serpentin, Magneteisenstein und Graphit inLagern und Zonen von größerer oder geringerer, oder mehr oder wenigergleich bleibender Mächtigkeit auf.
Die zahlreichen Varietäten des Gneißes lassen sich in zwei Haupt-gruppen, die Glimmer- und Hornblende-Gneiße, zusammenfassen, je nach-dem außer Feldspath und Quarz entweder Glimmer oder Hornblende alsdritter wesentlicher Gemengteil vorhanden ist. Das gewöhnlichste, in allenVerbreitungsgebieten vorwaltende der feldspathreichen archäischen Ge-birgsglieder ist der Glimmergneiß in allen seinen durch Abänderungdes Gefüges bedingten, in dem petrographischen Teile dieses Lehrbuchesbereits beschriebenen Modifikationen. Man hat deshalb besonders flaserige,schieferige, lagenw'eise zusammengesetzte und stengelige, sowie Augen-Gneiße zu unterscheiden. Je nachdem vorwiegend Magnesiaglimmer oderausschließlich Kaliglimmer an der Zusammensetzung dieser Gneiße teil-nehmen, trennt man letztere in graue (Biotit-) Gneiße und rote (Muscovit-)Gneiße. Die Zahl dieser Varietäten wird noch dadurch vermehrt, daß, ähn-lich wie Hornblende, auch Augit, Chlorit, Talk und Graphit für den Glim-mer eintreten, gewissermaßen Vikariieren können. Infolge davon erscheinenneben dem Hornblendegneiß, freilich meist nur untergeordnet, Augit-,Chlorit-, Talk- und Graphitgneiß in zonenartiger Wechsellagerungmit dem Glimmergneiß. Auch Co.rdierit kann sich als wesentlicher Ge-mengteil zu Quarz, Feldspath und zurücktretendem Glimmer gesellen unddann mit diesen (so bei Bodenmais in Bayern und im sächsischen Granulit-gebirge) Cordieritgneiß bilden.
Durch Zunahme des Glimmers nimmt der Gneiß schieferige Strukturan und geht durch gleichzeitiges Zurücktreten des Feldspathes und Quarzesin Gneißglimmerschiefer und in Glimmerschiefer über. Auf der anderenSeite kann der Gneiß seine Parallelstruktur vollständig verlieren, indemdie Glimmerblättchen eine ganz regellose Lage annehmen. Infolge dieserVeränderung des Gefüges geht der Gneiß zuerst in zum Teil selbst porphyr-artigen Granitgneiß (Lagergranit) über, welcher dann in mächtigenParallel- oder Lentikulärmassen zwischen dem Gneiße eingelagert und zumTeil durch Übergänge mit ihm eng verknüpft ist. Die Erscheinung, daß derGneiß infolge des Verlustes seiner Parallelstruktur in ein granitähnlichesGestein, sowie umgekehrt durch Überhandnehmen des die Parallelstrukturbedingenden Minerales in Glimmerschiefer übergeht, dieselbe Erscheinungsehen wir sich bei den Hornblende -, Talk-, Chlorit- und Graphitgneißen