1. Ur-Gneißformation.
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Eigentümlichkeiten ein und derselben Schichtenzone, ferner infolge dersteilen, oft vertikalen Aufrichtung der Schichten bedeutende Schwierig-keiten entgegen, so dürfte doch dieselbe auf zwei Hauptlagerungsformenzurückzuführen sein. Die eine, z. B. im Gneißgebiete des Erzgebirges, sowieim sächsischen Granulitgebirge, ferner in dem der Umgebung von Bergen erkannte, läßt sich als eine kuppelförmige, die zweite in Canada , Bra silien und in zahlreichen Distrikten Skandinaviens vertretene als eine aus-gedehnte, weit fortsetzende, zonenartige Lagerung bezeichnen. Imersteren Falle zeigt sich in den mittleren Regionen eines jeden derartigenGneißterrains eine nahezu horizontale, wenigstens sehr flache Schichten-lage, während sich nach den Grenzen zu eine steile Stellung mit nach außengerichtetem Fallen geltend macht. Bei zonenartigen Lagerungsverhältnissenstehen die mannigfachen Schichtenkomplexe in steiler, synklinaler oderantiklinaler, oft auch vertikaler, ja, wie in den Zentralalpen, in fächer-förmiger Stellung (Zentralmassive der Alpen ) nebeneinander (Fig. 120u. 89). Dergleichen Schichtenzonen der Ur-Gneißformation besitzen oft sehr
Fig. 120. Architektonische Verhältnisse der Ur-Gneißformation der Gegendvon Grenville, Canada . Nach Logan.n krystalliniseher Kalkstein.b Gneiß und Quarzit.
bedeutende Ausdehnung. So erstreckt sich die brasilianische Gneiß-und Glimmerschieferformation in nordöstlicher Richtung über 250 geo-graphische Meilen weit, während ein 65 Meilen langes Profil quer durchdie Andeskette, wenige Grade nördlich vom Äquator in seiner ganzen Aus-dehnung vertikal oder fast vertikal stehende Schichten der Gneißformationzeigt. Die Gneißzone, welche das geologische Skelet des appalachischen Ge-birgssystemes und somit der ganzen östlichen Hälfte des nordamerikanischenKontinentes bildet (laurentische Formation), erstreckt sich vom StaateGeorgia aus bis nach der Mündung des Lorenzstromes und besitzt somiteine Länge von etwa 300 deutschen Meilen.
Lagerungsverhältnisse der Ur-Gneifsformation zu den übrigenFormationen. Die Ur-Gneißformation ist wie bemerkt die unterste unsererBeobachtung zugängige Schichtengruppe. Das Fundament, auf dem sie ruht,wird voraussichtlich die ursprüngliche Erstarrungskruste der Erde sein,während sie selbst als Basis der übrigen Sedimentformen zu betrachten ist.Sie wird meist von der nächst jüngeren Formation, den Ur-Schiefern, zu-weilen aber von viel neueren Gebirgsgliedern, so dem Silur, der Stein-