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Elemente der Geologie / Hermann Credner
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VI. Historische Geologie .

Einiges über die geographische Verbreitung des Tertiärs. Tertiär-ablagerungen sind auf allen Kontinenten nachgewiesen. In Europa spielensie deshalb eine sehr wichtige und augenfällige Rolle, weil sie nicht wie diemarinen Gebilde gleichen Alters in Nordamerika auf die Küstenstriche be-schränkt sind, sondern infolge der tiefen Buchten und Meeresarme, durchwelche unser Kontinent während der Tertiärzeit in eine Inselgruppe ge-gliedert war, an dem Baue auch der zentralen Partien des heutigen Fest-landes teilnehmen. Die ganze norddeutsche Niederung ist ein zusammen-hängendes, freilich zum Teil von noch jüngeren Gebilden bedecktes Tertiär-land, welches im Süden mit dem Tertiärbecken des nördlichen Böhmens ,im Osten mit der polnisch-russischen, sich bis zum unteren Dnieper aus-dehnenden Tertiärzone, im Westen mit den belgisch -holländischen Tertiär-ablagerungen zusammenhängt. An letztere schließt sich das nordfranzö-sische Tertiärbecken an, welches sich vom Kanal aus in südlicher RichtungUber Paris und Orleans bis an das Granitplateau Zentralfrankreichs erstreckt,von der Seine und Loire entwässert und rings von den Schichten der Kreideumgürtet wird. Auf der anderen Seite des Kanales treten im südöstlichenTeile von England auf beiden Ufern der Themse , sowie auf der Insel Wight und in dem gegenüberliegenden Hampshire Tertiärgebilde auf, in welchensich große Ähnlichkeiten mit den französischen nicht verkennen lassen. Imsüdlichen Frankreich besteht die ganze Niederung zwischen dem Zentral-plateau und den Pyrenäen , sowie ein Teil dieser letzteren, also das Fluß-gebiet der Garonne, aus Niederschlägen eines Tertiärmeeres, welches einedirekte Verbindung zwischen dem Atlantischen und Mittelländischen Meereherstellte. Von der heutigen Mündung der Rhone aus ziehen sich Tertiär-ablagerungen den Westen und Norden der Alpenkette entlang von Marseille über Genf und München bis Wien , füllen den weiten Raum zwischen Alpenund Jura aus, bilden die ganze Hochebene zwischen ersteren und der Donau und nehmen einen bedeutenden Anteil an dem Aufbaue der östlichen undnördlichen Voralpen. Da wo heute Wien Ijegt, breitete sich der von demGolfe von Lyon bis dahin verfolgte tertiäre Meeresarm zu einem weitenSeebecken aus, welches ganz Mähren , Ungarn und Siebenbürgen , einenTeil der späteren Karpathen bedeckte, so daß sich nur einzelne Partien derletzteren über den Spiegel erhoben, und welches noch weiter nach Ostenmit dem südrussischen Tertiärmeere in Verbindung stand. Dieses setztezweifelsohne durch ganz Zentralasien bis nach China und Japan fort. Auchan die Südabhänge der Alpen lehnen sich Tertiärgebilde an, unter-teufen die ganze Poniederung und erheben sich im Süden derselbenzu dem Apenningebirge, welches in seiner Erstreckung von Genua bisAncona , ebenso wie die gegenüberliegende dalmatische Küste ganz aus-schließlich , in seinem südlichen Verlaufe zum großen Teile aus Tertiärgebildet wird. Auch an der Zusammensetzung Griechenlands , Siciliens