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Elemente der Geologie / Hermann Credner
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VI. Historische Geologie .

Auf dem nordamerikanischen Kontinente finden sich Glazialablage-rungen in ganz Canada, von wo aus sie sich über Neu-England und Long- Island , Michigan , Wisconsin und Minnesota bis jenseit des Mississippi ausdehnen und nach Süden zu bis nach New-Jersey , in das südliche Penn­ sylvania , Ohio , Indiana , Illinois und Jowa, also ungefähr bis zum 39. Breiten-grade reichen. Das nordamerikanische Inlandeis erstreckte sich somit vielweiter nach Süden, als das entsprechende nordeuropäische, nämlich bis indie Breite von Sicilien. Sein südlicher Rand läuft vom heutigen Baltimore aus in westlicher Richtung bis zum Mississippi und wendet sich dannnordwestlich bis zum Eismeer. Die von dieser Eisdecke zurückgelassenenGlazialablagerungen und zwar namentlich der Boulder clay (die alte Grund-moräne) beschränken sich nicht auf das Flach- und Hügelland, sondernsteigen z. B. in Neu-Engiand am Mt. Washington und an den Green-Mountsbis über 1300 m hoch. Alte Flußthäler werden von ihnen vollkommen aus-gefüllt, so daß die Flüsse nicht selten aus ihrem früheren Laufe vollständigverdrängt wurden, wie dies z. B. beim Niagara geschehen. An zahllosenStellen machen sich Friktionserscheinungen in großartiger Weise geltend.Ausgedehnte Gesteinsflächen sind spiegelglatt geschliffen, dann fein ge-streift und tief gefurcht worden. Die Oberfläche gewisser Quarzitkuppenam Oberen See ist so glatt, daß das Gehen auf dem nackten Fels beschwer-lich fällt. Jedoch ist diese Polierung nur auf die nördlichen Abhänge undauf die Gipfel der Hügel, also auf die Stoßseite derselben beschränkt, wäh-rend die südlichen Abfälle rauh und zackig geblieben sind. Über jene ge-schliffenen Nordabhänge ziehen sich fnßtiefe und -breite Schrammen, ofteine neben der anderen hin.

Auf die aus Boulder clay, Sanden , Granden und erratischen Blöckenbestehenden nordischen Glazialgebilde Nordamerikas folgen in den öst-lichen Teilen Canadas und der Vereinigten Staaten marine Ablagerungen,nämlich arktische Ledathone, welche bis zu Höhen von 200 m an-steigen, und Sande mit Saxicava, im Innern des Kontinentes hingegenGrande und lockerer Glazialschutt (entsprechend unserem Geschiebedeck-sande) und großartige Terrassensysteme, welche die Thäler begleiten unddie Seen umgürten. Diese jung- und postglazialen Ablagerungen der Dilu-vialzeit werden als Champlainformation bezeichnet.

Die Rocky-Mountains und die Sierra Nevada bildeten außer-dem selbständige Vergletscherungsgebiete.

Diluviale Kalktuit'e, Knochenliöhlen, Löfs. Die Gesteinsbildungender Diluvialzeit auf den nicht oder nicht mehr mit Eis bedeckten Land-strichen bestehen aus Kalktuffen, Torf, Knochen führenden Ablagerungen inHöhlen und Spalten, Flußkiesen und -lehmen nebst dem Löß.

Diluviale Kalktuffe finden sich beispielsweise bei Burgtonna ,Mühlhausen und Weimar in Thüringen , wo sie flache und schluchtartige