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Entartung und Genie : neue Studien / von Cesare Lombroso ; gesammelt und unter Mitwirkung des Verfassers Deutsch Herausgegeben von Dr. Hans Kurella
Entstehung
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15
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KIXWÄN'I )E GEGEN DIE THEORIE DER GENIALITÄT. i 5

Canto XXIII. v. 15.

So ging mein Geist, anschwellend, aus sich selbstheraus und weiss sich nicht mehr zu erinnern, wieihm wurde.

Canto XXIII. v. 17.

Ich war wie einer, der sich eines verblichenenTraumgesichts erinnert und der sich vergebens be-müht, es dem Geiste wieder vorzuführen.

Wie man sicht, nehmen die Anfälle in Pitrgatoriomehr die Form von traumhaften und somnambulenZuständen an, im Paradiso mehr die von Ekstasen.Es lässt sich dabei nicht mit Sicherheit unter-scheiden, ob es sich um Hystero-Epilepsie odereigentliche Epilepsie handelt; für die Diagnose derEpilepsie sprechen gewisse ethische Fehler, derender Dichter sich selbst beschuldigt, der Ilochmuth,der Ilang zu Ausschweifungen und seine wilde Zorn-müthigkeit, von der die Dante-Fegende so vieleBeispiele zu berichten hat, und die auch in seinerDichtung hervortritt, selbst im Paradiso, in demsein Genie sich reifer und gemässigter zeigt. Ichwill dafür hier nur ein Beispiel citiren:

»Jener, der auf der Erde meine Stelle usurpirt,meine Stelle, meine Stelle, hat aus meinem Grabeeine Kloake von Blut und Koth gemacht, woran sichder Verworfene, der von hier oben I Ierabgestürzte,dort unten freut.« (Parad . XXVII. V. 9.)

Neben diesen auf epileptische Anfälle und Be-wusstseinsstörungen deutenden Stellen der Divina Commedia ist seine Dichtung voll von Zeichen ner-vöser Reizbarkeit und degenerativer Charakterano-malicn. Ueberall verät sich - zumal wenn manseine poetische Jugendgeschichte, die I ita d\uova,zum Vergleich heranzieht*) frühreife Leidenschait-

*) Chiara hat das neuerdings ausführlich in meinem »Archivierdi Isichiatria« gethan. (1894. p. 455463.)