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Entartung und Genie : neue Studien / von Cesare Lombroso ; gesammelt und unter Mitwirkung des Verfassers Deutsch Herausgegeben von Dr. Hans Kurella
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ENTARTUNG UNI) GENIE.

Alle Bergvölker wissen Eroberern zu widerstehenoder ihr Joch wieder abzuschütteln und sind diegebornen Beherrscher der Bewohner des flachenLandes; darin äussert sich die Bedeutung einer ge-birgigen Bodenbeschaffenheit für das Zustandekommenvon Rebellion und Revolution, wozu noch als be-günstigendes Moment hinzukommt, dass ein Berglandan sich einer Invasion Schwierigkeiten macht. Ichnenne als Beispiele die Kurden, die Klephten, Mon-tenegriner, Bergschotten, Bretonen und die Piemon-tesen, deren zäher Charakter noch durch die Rauheitdes Bodens verstärkt und widerstandsfähiger gemachtwurde. So war Sparta immer frei, während Jonierund Äolier oft abhängig wurden. Man sieht deshalboft Bergvölker, die von apathischen und knechtischenStämmen umgeben sind, eine merkwürdige krie-gerische Energie entwickeln; so die Thibetaner in ihrenKämpfen gegen die Chinesen, und die Afghanen,besonders die vom Stamme Jussuf, die den indolentenHindu als Eroberer gegenübertraten, nüchtern, ehrlichund stolz auf ihre Unabhängigkeit. Man darf be-haupten, dass die ersten Regungen des Frciheits-gefühls und der letzte Widerstand gegen die Unter-jochung sich immer unter Bergvölkern zeigen, sounter den Samniten, Marsern, Ligurejn, Cantabrerngegen die Römer; unter den Asturicrn gegen dieGothen und Sarazenen; unter den Rumäniern, Alba-nesen, Mainoten, Drusen, Maroniten gegen die Türken;unter den Tlaskalanern und Chilenen gegen die Spanierund den Schweizern der Urkantone gegen Oester­ reich und Burgund . So erhoben sich in den Cevcnnenund diesseits der Alpen im Veltlin und Pincrolotrotz der Dragonaden und der Inquisition die erstenVersuche zur Gewinnung der Gewissensfreiheit. DieIllyrier blieben von ihren griechischen Nachbarn un-abhängig, widerstanden auch den Maccdoniern undmachten sich nach dem Tode Alexanders wieder von