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fohlen beim Genie, und nach meiner Beobachtungerkranken Mathematiker, welche besonders häutig anErschöpfung durch geistige Arbeit leiden, sehr seltenan Geistesstörungen, wie sie bei Genies Vorkommen,während diese bei Musikern sehr häufig sind.Die Untersuchungen über das Gesichtsfeld genialerMenschen, auf die wir weiter unten noch zuriick-kommen werden, zeigen häufig eine grössere Aus-dehnung desselben nach der temporalen Seite, wasdem Verhalten des Gesichtsfeldes bei Erschöpfungdiametral widerspricht. Bei dem Interesse dieserKrage habe ich der grösseren Sicherheit wegen dasGesichtsfeld vor und nach der Ermüdung untersucht.Vor Beginn der Arbeit war dasselbe sehr ausgedehnt,nach einer vierstündigen angestrengten Arbeit ergabsich durchaus keine Abschwächung der Gesichtsem-pfindung (wie die angestellte Untersuchung ergab), na-türlich aber eine geistige Erschöpfung, und zugleich einestarke Einengung des Gesichtsfeldes, die jedoch denäusseren oberen Quadranten nicht mit ergriff. DiesExperiment zeigt auf der einen Seite, dass Gesichts-felduntersuchungen mehr den Zustand der 1 lirnrindcals den der Retina darstellen, dass aberylie bei genialenMenschen nachweisbare Einschränkung des äusserenoberen Quadranten von Ermüdung und Erschöpfungvollständig unabhängig sein kann. Eins der wohl-bekanntesten Symptome geistiger Ermüdung stelltalso gerade das Gegcntheil von dem dar, was wo-bei genialen Menschen in dieser Beziehung beob-achten.
Ich leugne jedoch durchaus nicht, dass in manchenLebensperioden genialer Menschen, besonders den spä-teren, die Erschöpfung häufig ist, aber sie zeigt sich dannöfter in Melancholie und in der Neigung zum Selbst-mord, der in den höheren Berufsarten und bei Lite-raten ohnedies häufiger ist, ferner in dem frühenund stärker auftretenden Ergrauen und Ausfallen der