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ENTARTUNG UNI) GENIE.
ihm zuerst zu serviren, denn er wittert darin dieAbsicht, ihm zu verstehen zu geben, dass seine An-wesenheit eine Last für die Gesellschaft ist, undinfolgedessen besorgt er sich einen eignen Diener.Der Fürst stellt ihm seine Pferde zur Verfügungund den Tag darauf kauft sich Beethoven ein eigenesPferd. Bei dem Diner einer vornehmen Dame istihm nicht der gebührende Ehrenplatz angewiesen,sofort stülpt er sich wüthend den Hut auf undstürmt hinaus. Als ihn sein Freund Breuning, mitdem er beschlossen hat, zusammenzuwohnen, daraufaufmerksam macht, dass er, Beethoven , seine alteWohnung noch nicht gekündigt hat, sieht er darinden Wunsch seines Freundes, ihn los zu sein,und macht ihm eine heftige Scene. Er bittet denErzherzog Rudolph, ihn mit den Ceremonien derKammerherren zu verschonen, er ist wüthend, wennihn die Hausbesitzer grüssen. — Während er einenMarsch vorträgt, bemerkt er, dass GrafPALKY plaudert,sofort springt er vom Klavier auf und verlässt dieGesellschaft, indem er vor sich hinmurmelt: »fürsolche Schweine spiele ich nicht«. — Hummel nennter einen »hündischen Heuchler«, und prophezeit ihm,»er würde noch einmal am Galgen hängen«. Amandern Tage sieht er sein Unrecht ein, schreibt ihmeinen zärtlichen Brief, lobt ihn, schmeichelt ihm undunterschreibt sich »Honigblume«.
Einer andern Form der Sucht nach Auszeichnungbegegnen wir bei Flaubert ; banale Ehrenbezeigungenerschienen ihm verächtlich, und er erschien, wie Zola sagt, den Meisten als der bescheidenste Mensch vonder Welt. Und doch wusste er noch nach io JahrenRandbemerkungen auswendig, die in seine Büchergeschrieben worden waren, w'ar gerührt über lobende,ausser sich über tadelnde Bemerkungen.
Wie in gewissem Grade wir alle, litt auch er aneinem fast krankhaften Bcdürfniss danach, dass die