GENIE UNI) IRRESEIN.
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folgenden kurzen Worten: »Cameaneela hatte einenunförmlichen Schädel, den sieben Unebenheiten —wie er sie selbst nannte, Hügel, — überragten,äusserst empfindliche Nerven, scharfen Verstand unddie Neigung, sich grundlos zu ereifern.«
Die mystische Erziehung des Ordens, dem er an-gehörte, steigerte seine natürlichen Anlagen, denn erlebte seit seinem I4ten Jahre (15 82) im Dominicaner-kloster, also immer ausserhalb der Wirklichkeit. Erwurde acht Jahre lang in calabrischen Klosterschulenunterrichtet, unter Disputationen mit seinenEehrern undbeneidet von seinen Mitschülern; dann ging er, halb alsFlüchtling, von Cosenza nach Neapel . Hier war ihmdas Glück nicht hold; er war erst wenige Tage indieser Stadt, als er beim Erscheinen eines BrevePiusV., welches das Mitnehmen von Büchern aus denBibliotheken mit Excommunication bedrohte, ausrief:»Was ist das: Excommunication? Wird man da ge-fressen?« Er wurde sogleich denunzirt, festgenommen,nach Rom geschafft und zum Widerruf verurtheilt.
Nach seiner Freilassung beschloss er nach Padua zu gehen; auf dem Wege dorthin wurden ihm seineManuscripte geraubt, und nachdem er 2 Tage inPadua war, wurde er der Gewaltthätigkeit gegen denOrdensgcneral der Dominikaner angeklagt, woraufneue Gefangenschaft und neuer Process folgte. Kaumwar er verhört und frcigelassen, so nahm er an eineröffentlichen Disputation theil und widmete sich demStudium, indessen zogen die offen von ihm be-kannten Doctrinen ihm einen neuen, dritten Processzu, und schliesslich noch einen vierten in Rom .Noch nicht volle 26 Jahre alt, hatte er schon 3 Jahreim Kerker zugebracht.
Cami'Anella hatte mit 20 Jahren im Kloster vonCosenza mit einem gewissen Aukamo Verkehr ge-habt, der ihn in der Nekromantik unterrichtete, undihm prophezeite, er würde einstmals Kaiser werden.