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ENTARTUNG UND GENIE.
bringt überall in seitenlangen Ergüssen seine Lieblings-idee vor, man müsse »parlamentale,« nicht »Parla-mentäre« sagen. In seinen letzten Schriften ergehter sich häufig in Obscönitäten, die aber mehr andie impotenten Zoten schnupfender Mönche erinnern,als an Ausbrüche strotzender Jugendkraft, mehr anPater Suarf.z als an Stecchetti oder Mantkgazza.Man kann ganze Bände mit der Aufzählung seinerentweder albernen oder obseönen Wortspiele füllen,die übrigens durchaus unübersetzbar sind; selbst inseinem Buche Regina e Repubblica , das eine deredelsten Frauen Italiens verherrlichen soll, und inseinem wuchtigen Bande Sulla IAberta wimmelt esvon dummen Schweinereien.
Ueberall verfällt er in Widersprüche, besonders beider Beurtheilung von Charakteren. Boccardo, dener einmal als einen Mann von gewaltiger Intelligenzund als eine wandelnde Bibliothek feiert, ist in No. 6seiner Zeitung {Le Forche) ein salbungsvoller Igno-rant; Crispi, erst der zweite Mann im Königreich,ein Riesengeist, der »Kapaneus der Revolution«, die»einzige Intelligenz nach Mancini«, figurirt später als»Charlatan« und gleich darauf als »verunglückterRabulist«. Minghetti, erst ein »Staatsmann erstenRanges von Genialität und voll grandioser Ideen,«erscheint später »schlaff, ohne juristische Bildung,haltlos wie Mancini.« Von Sella, den er in Anklage-zustand versetzen will, hebt er sich das Autogrammauf und — eine Cigarre!
Dem steht nur ein merkwürdig consequentesFesthalten an gewissen Principien gegenüber, so demUnitarismus in der Religion, der Stärkung der könig-lichen Gewalt, und unzweifelhaft blitzen in seinenSchriften auch hier und da geniale Einfälle auf. Ichgebe davon einige Proben: »Der Mann, der keinenWiderwillen gegen die auf unserer Gesellschaftlastenden Ungerechtigkeiten und Schändlichkciten