Buch 
Briefwechsel des Grafen Montvallat oder Erinnerungen an die französische Emigration von 1792 bis 1797 / herausgegeben von W* M* [Wilhelm Meyer]
Entstehung
Seite
33
JPEG-Download
 

33

nahm er ihr ah, nachdem es ihm geglückt war, dem-selben eine Stelle bei einem in englischem Solde er-richteten Emigrantencorps zu verschaffen. Bereitswaren im Leihhause zu Mons die Diamanten derMarquise, wofür sie früher 14,000 Franken bezahlthatte, um ein Darlehen von 7200 Franken zu 6 Pro-zent verzinslich versetzt; gern hätte sie den Schmuckverkauft, allein dazu bedurfte sie der Zustimmungihres wider sie aufgebrachten Gatten, und musstevorsehen, dass er das Geld ihr schwerlich würde zu-kommen lassen. Andere vornehme Französinnen warenin nicht minder drückender Lage. Eine PrinzessinMontmorency arbeitete zur Nachtzeit für eine Moden-handlung. Bei Tage zu arbeiten hätte sich nach da-maligen Begriffen für so vornehme Leute nicht ge-schickt. Einen sonderbaren Abstand zu diesem Elendbildeten die glänzenden Bälle und Mahlzeiten, welchewährend des Winters von 1793 auf 1794 in den Haupt-quartieren der Verbündeten gegeben wurden, wievom Pierzog von York in Gent ein Ball mit Souper zu 600 Gedecken. Mit Recht bemerkt d’Espinay,vernünftige Leute finden, es sei jetzt nicht an derZeit zu tanzen. Dass alle Emigranten versäumt hätten,wenn man sie dazu einlud, an Mahlzeit und TanzTheil zu nehmen, möchten wir doch bezweifeln.

Obschon von seiner Gattin getrennt lebend,glaubte der Marquis d’Espinay ihr doch seine gutenKäthe nicht entziehen zu dürfen, da diese ja nichtskosteten. Aus Anlass einer ihm mitgetheilten Klageüber die Aufführung eines Knaben schrieb er, die

3