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Die Inseln des Stillen Ozeans, eine geographische Monographie / Carl E. Meinicke
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Mangarewa. Pittcairn. Rapanui .

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Zeiten wiederkehrender Feste (arkauti), von denen das erste imFrühjahr 2 Monate dauerte, das zweite im Sommer mit der Errich-tung einer Pyramide aus Zweigen (paina) endete, das dritte in denWinter fiel; bei allen fanden Tänze, Gesänge, Spiele aller Art statt.Das Tapu bestand in vollster Kraft; an Gegenständen wurde esdurch kleine, 3 bis 4 Fuss hohe Steinhaufen bezeichnet, deren Spitzemit Kalk geweisst war.

Bei Begräbnissen sollen keine Feierlichkeiten stattfinden. DieLeiche wird in Zeug oder in Rohr und Gras gewickelt und entwederin eine Felsspalte versteckt oder gewöhnlicher mit dem Kopf gegendas Meer hin auf das Papakoo gelegt, eine Terrasse gewöhnlichnahe am Meere, die von hohen, auf der Seeseite manchmal ge-weissten Steindämmen eingefasst ist und auf oder neben der kleineHaufen von oben geweissten Steinen liegen, die wahrscheinlichGräber bedecken. Hierher gehören auch die sogenannten Bildsäulenmoai) die der Insel so grossen Ruf verschafft haben und seitRoggeveens Zeit von Allen, die Rapanui besucht, geschildert sind.

In neuerer Zeit werden sie von den Eingeborenen nicht mehr er-richtet, auch sind alle mit wenigen Ausnahmen jetzt umgestürzt undzerstört. Es sind eigentlich rohe Säulen, aus vulkanischem Gestein igehauen, von 16 bis 30 Fuss Höhe; der obere Theil der Säule istnicht ohne Kunstfertigkeit zu einem Menschenkopf mit lang herab-gezogenen Ohren ausgearbeitet, und auf dem Scheitel ruht ein zu-gehauener Stein in Form einer grossen Mütze. Die Säulen bestehenaus grauem Trachyt und sind in dem Krater Otu iti gemacht, wosich noch jetzt eine unvollendete findet, das Gestein der Mütze istdie rothe Lava des Kraters Teranohau. Sie stehen fast alle an denKüsten auf Fussgestellen und diese auf viereckigen, von Steinmauerngebildeten Platformen, theils einzeln, theils viele zusammen, stetsmit dem Rücken gegen das Meer gewandt. Dass diese Säulen aufden Gräbern der Vornehmsten stehen, die nach ihrem Tode ver-göttert sind, und Darstellungen derselben sein sollen, (weshalb auchjede einen besondern Namen führt), hat schon Förster gesehen, undwenn frühere Reisende diese Plätze geradezu Marae nennen 14 ), sohaben sie darin vollkommen Recht; es sind Grabplätze, die zugleichals Tempel dienten. An der Hinterseite der Bilder sind manchmalZeichen ausgehauen, wie sich deren auch an den Wänden der stei-nernen Häuser finden. In neuester Zeit sind dünne Bretter (rohaurongo rongo) von hier nach Europa gekommen mit langen Reihen