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Die Inseln des Stillen Ozeans, eine geographische Monographie / Carl E. Meinicke
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Die Gruppen Manahiki, Phoenix und America.

ihre Einwilligung geben. Eigenthumsrecht besteht allenthalben aufdie Kokospalmen und die Fischerei in den einzelnen Abtheilungender Lagunen. In den westlichen Inseln lebten sie friedlicher undhatten selten Kriege; dagegen sind sie in Tongarewa zwischen denBewohnern der einzelnen Inseln häufiger, hier begleiten die Frauenauch die Männer in den Kampf, und ihre Haare gelten als Trophäefür die Sieger, weshalb sie sie gewöhnlich vorher abschneiden. DieWaffen sind in Tongarewa lange Speere (tau) mit Knochenspitzen.Keulen (koerari), beide aus Kokosholz, und mit der Hand ge-worfene Steine.

Ihre Lebensweise ist natürlich in hohem Grade einfach; dieFrauen sorgen für die Wirtschaft, bereiten Matten, suchen Muscheln,die Männer treiben Fischfang und Bootbau. Polygamie ist ge-staltet; in Tongarewa sind die Mädchen, abweichend von denübrigen Polynesiern, keusch und züchtig. Nahe Verwandte dürfeneinander nicht heiraten; Hochzeitsceremonien fehlen, es wird einFest gegeben, die Braut erst mit Matten umwickelt, dann mit demlängeren Schurz, den sie als Frau trägt, bekleidet. Trennungender Ehe sind leicht. Tänze lieben sie allenthalben sehr, in Tongarewagiebt es mehrere mit besonderen Namen und für verschiedene Ge-legenheiten. Auch Lieder haben sie, aber musikalische Instrumentewerden nicht erwähnt. Sie sind reinlich und baden oft. Die Artdes Grüssens ist das bekannte Nasen; bei der Ankunft von Be-kannten findet auf allen Inseln eine an die ähnliche neuseeländischeSitte erinnernde Ceremonie (in Tongarewa Pehu) statt, die in lautemKlagen und Verletzen der Haut bei beiden Theilen besteht. Palmen-zweige dienen (in Tongarewa) als Friedenszeichen. Handel treibendie Bewohner der westlichen Inseln jetzt mit europäischen Schiffen,namentlich nehmen diese Lebensmittel und Kokosöl ein, das Mediumdes Verkehrs sind Zeuge.

Die Verbindung dieser Inseln mit den Europäern ist durchdie Missionare der Herveyinseln vermittelt worden. VerschlageneManahikier, die ein europäisches Schiff 1849 hach Aitutake brachte,führten zur Einführung rarotongischer Lehrer in den westlichenInseln, deren Einwohner in kurzer Zeit das Christenthum und späterdie Bildung der Rarotonganer in jeder Hinsicht annahmen. Ebensohatte der Umstand, dass mit Lamont, als er nach seinem Schiff-bruch Tongarewa verliess, einige Bewohner der Insel nach Raro-, tonga kamen, die Folge, dass 1854 rarotonganische Lehrer sich in

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